Expertentreffen des Bundesamts für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz


Am 27.10.2016 führte das Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz (BBK) in Bonn ein Expertentreffen durch. Ziel war die Beratung im Rahmen des „European Network for Psychosocial Crisis Management – Assisting Disabled in Case of Disaster – Implementation (EUNAD-IP)“ zur Entwicklung von Strategien und Methoden zur Unterstützung der Selbstkompetenz von Kindern und Jugendlichen mit geistigen Beeinträchtigungen zur Vorbereitung auf Katastrophen und Notfallsituationen.

Unter der Leitung von Claudia Schedlich und Frederike Albers, die direkt am Projekt beteiligt sind, kamen Experten aus verschiedenen Kontexten zusammen:
Gisela Zurek (BBK, Referat I.3 Psychosoziales Krisenmanagement),
Ursula Fuchs (BBK, Referatsleitung Referat II.2 Information der Bevölkerung, Selbstschutz und -hilfe),
Thomas Spaett (Julius-Maximilians- Universität Würzburg, Lehrstuhl für Sonderpädagogik IV, Pädagogik bei Geistiger Behinderung),
Dieter Irblich (Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Projektgruppe: Notfallpsychologie für Menschen mit geistiger Behinderung),
Prof. Dr. Harald Karutz (Notfallpädagogisches Institut, Medical School Hamburg), Linn Richter (Deutsches Rotes Kreuz, Landesverband Nordrhein e.V.),
Marianne Schardt (Verband Sonderpädagogik e. V., Bundesgeschäftsführerin) und
Dr. Marie-Christine Vierbuchen (Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik).

Zunächst wurden bereits existierende „Toolkits“ und Projekte für Kinder vorgestellt (z. B. „Max und Flocke Helferland“, http://www.max-und-flocke-helferland.de/SubSites/KI/DE/Home/home_node. html oder „Kinder in Krisen und Katastrophen. Psychosoziale Notfallversorgung für Kinder und Jugendliche in komplexen Gefahren- und Schadenslagen (KiKat)“ http://www.medicalschool-hamburg.de/ forschung/interdisziplinaere-versorgungsforschung/kikat/) und dann mögliche zielgruppenspezifische Modifikationen diskutiert.

Kernfragen waren:

  • Welchen spezifischen Bedarf und welche spezifischen Kompetenzen haben Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in Notfallsituationen?
  • Wie lässt sich ihre Selbsthilfefähigkeit stärken? Wie können den Kindern und Jugendlichen wirksame Kommunikations- und Handlungsstrategien für Notfallsituationen wie z.B. Naturkatastrophen, Unfall, Brandschutz, aber auch Notfallvorsorge wie z.B. bei Stromausfall, bis hin zu chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahrenlagen (CBRN) präventiv vermittelt werden?
  • Welche methodisch-didaktischen Aspekte sind zielführend? – Wie muss entsprechendes Lehrmaterial aufbereitet sein?
  • Wo soll das Training mit den EUNAD IP Toolkits stattfinden und wer eignet sich als Multiplikatorengruppe?

Es bestand Einigkeit darüber, dass in diesem Kontext die Schule als Institution ein wichtiger Ansprechpartner sein muss. Zukünftig können und sollten „Toolkits“ verstärkt in bereits bestehende schulische Notfallpläne und die Notfallvorsorge integriert werden. Für prägnante Notfallsituationen sollen alle relevanten Kompetenzen (Interventionsleitlinien nach Hobfoll et al., 2007) gestärkt werden: Gefühl der Sicherheit, Beruhigung, Selbst- und kollektive Wirksamkeit, Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen und Hoffnung.

Dies sind extrapolierte Wirkfaktoren von Interventionen in der Akuthilfe. Dabei sollen während der Vermittlung dieser Kompetenzen auch die Interessen der Kinder und Jugendlichen angesprochen werden, um eine höchstmögliche Nachhaltigkeit zu erreichen. Gleichzeitig ist die große Heterogenität der Zielgruppe zu berücksichtigen.

Es gilt zukünftig, noch mehr Bewusstsein bei den Lehrkräften für die Bedeutung der Thematik zu schaffen, klarzumachen, dass Notfallvorsorge fester Bestandteil des Unterrichts ist und in vielen fachlichen Zusammenhängen immer wieder aufgegriffen werden kann.

Eine weiterführende Zusammenarbeit wurde vereinbart, um Konzepte der psychosozialen Notfallversorgung und der Prävention für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf zu entwickeln und zu evaluieren mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf im Sinne des Empowerments Sicherheit zu vermitteln und das Rückgreifen auf erprobte Kommunikations- und Handlungsstrategien in Krisensituationen zu ermöglichen.

Marie Christine Vierbuchen, Marianne Schardt

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