Bericht aus dem Referat Aus-, Fort- und Weiterbildung 2017

Vom 22. bis 24 Mai 2016 fand das Treffen der Landesreferentinnen und Landesreferenten für Aus-, Fort- und Weiterbildung in Landau statt.

Die Arbeitstagung umfasste folgende Schwerpunkte:

  1. Länderübergreifender Austausch und Einschätzung zu spezifischen Bereichen der Lehrerbildung im Lehramtstyp 6 Sonderpädagogik,
  2. Fachaustausch mit Vertretern und Vertreterinnen von Schule, Universität und des vds Landesverbands Rheinland-Pfalz 
  3. Antragsbearbeitung und Perspektiven zur Weitearbeit im Referat AFW
  4. Referats- und verbandsbezogene Aspekte

1.

Als Grundlage um  einen vergleichenden Überblick zur länderübergreifenden und länderspezifischen Entwicklung in allen drei Phasen der Lehrerbildung des Lehramts Sonderpädagogik zu erhalten und einen fachlichen Diskurs zu zentralen Themenbereichen und Fragestellungen zu ermöglichen, diente die Kriterien geleitete Mastermatrix.

Mit Blick auf die Umsetzung der Inklusion im schulischen Kontext kann die allgemeine bildungspolitische Situation als weiterhin vielschichtig, komplex, herausfordernd bezeichnet werden. Ambiguitätstoleranz scheint in hohem Maße gefordert.  Unverkennbar ist, dass das Thema Inklusion sich in den diesjährigen Landtagswahlen in NRW und Schleswig-Holstein zu einem brisanten und nicht unerheblichen Wahlkampfthema entwickelt hat. Nicht zuletzt ist dies u.a. auf die breite Unzufriedenheit verschiedener  Akteure und Akteurinnen (Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler) bzgl. der konzeptionellen Gestaltung und Umsetzung der flächendeckenden Inklusion zurückzuführen, zu  der die  mangelnde personelle Ressourcenausstattung insbesondere beiträgt. Während Bayern Inklusion durch eine Vielfalt schulischer Angebote realisieren möchte (vgl. https://www.km.bayern.de/inklusion), wird im Bundesland Bremen, das bei der Inklusion eine Vorreiterrolle beansprucht, vor dem Hintergrund einer insgesamt problematischen gesellschafts-, bildungs- und finanzpolitischen Situation nach Aussagen des regierenden Bürgermeisters Sieling der Inklusionsprozess “abgebremst“ werden (vgl. http://www.weser-kurier.de/startseite_artikel,-sieling-bremst-bei-inklusion-_arid,1607465.html (abgerufen 23.06.2017).

Als gemeinsamer Nenner für alle Bundesländer konnte aus der Perspektive der Landesreferent*innen geltend gemacht werden,

  • dass in vielen Bundesländern die Novellierung der Schulgesetze hinsichtlich der inklusiven Bildung vorgenommen wird.
  • dass die derzeitige personelle, sachliche Ressourcenausstattung für eine inklusive Bildung und die entsprechenden Anpassungen in der Lehrerbildung aus Sicht des vds nicht ausreichend ist.
  • dass Qualitätssicherung sonderpädagogischer Expertise in besonderem Maße eingefordert werden muss und dies gerade vor dem Hintergrund des weiterhin besorgniserregenden Fachkräftemangels nicht nur in ländlichen Regionen.
  • dass durch die Diversität der in Schule Tätigen sich neue unterrichts- und schulentwicklungsbezogene An- und Herausforderungen und Entfaltungspotenziale bzgl. der Kooperation in multiprofessionellen Teams ergeben.
  • dass einerseits erfreulicherweise die Ausbildungskapazitäten in einzelnen Bundesländern und Universitätsstandorten erhöht werden, andererseits nicht immer eine notwendige personeller Ressourcenanpassung im Bereich der Lehre vorgenommen wird.
  •  dass der Fachkräftemangel kurzfristig durch Weiterbildungsmaßnahmen von Lehrkräften anderer Lehramtstypen oder durch den Einsatz von Seiteneinsteigern kompensiert werden soll. Dies ist aus Sicht des vds vor dem Hintergrund einer qualitativ hochwertigen Ausbildung kritisch zu sehen.
  •  dass weiterhin noch immer nicht genügende Ausbildungskapazitäten und –standorte der sog. „kleinen“ Fachrichtungen (Sehen, Hören, Körperlich-motorische Entwicklung) vorhanden sind und somit eine qualitativ hochwertige Bildung und Förderung in inklusiven/integrativen als auch in stationären Systemen nicht gewährleistet werden kann, um gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen.
  • dass durch systembedingte Veränderungen im Rahmen des Inklusionsprozesses (schülerbezogene versus systembezogene Ressourcenzuweisung) die Diskussion über die qualitative Weiterentwicklung bzw. Neuausrichtung  der sonderpädagogischen Diagnostik geführt werden muss.
  • dass sich im Hinblick auf den Entwicklungsstand der Sonder- bzw. Förderschulen weiterhin ein Trend zur Abschaffung der Förderschulen Lernen abzeichnet, wohingegen ein Bestandschutz von Förderschulen im Bereich Geistige Entwicklung, Hören, Sehen, Körperlich-motorische Entwicklung und teilweise noch/wieder der Erziehungshilfe für den Förderschwerpunkt Sprache erkennbar ist.
  • dass im Zuge der strukturellen Veränderungen durch die Auflösung von Förder-/Sonderschulen hinzu einem inklusiven Bildungssystem ein Trend zur Etablierung von Beratungszentren als neue Organisationseinheiten in Anlehnung an die ReBuZ (Bremen), RBBZ (Hamburg) zu verzeichnen ist, (vgl. Niedersachsen:http://www.mk.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/erste-planungsgruppen-fuer-regionale-beratungs--und-unterstuetzungszentren-inklusive-schule-starten-ab-februar-2017-in-elf-niedersaechsischen-regionen-149068.html) .
  • dass durch die seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention induzierten Entwicklungen und Veränderungen im Bildungssystem eine dezidierte Profilschärfung der Tätigkeitsbereiche der Sonderpädagogik  in unterschiedlichen Kontexten erforderlich ist.

2.

Zum Auftakt des diesjährigen Arbeitstreffens fand die  Hospitation an der IGS Landau, einer Preisträgerschule des Deutschen Schulpreises,  statt, an der die Grundsätze der demokratischen Schule in vorbildlicher Weise nicht nur konzeptionell verfolgt, sondern praktisch gelebt werden. So erhielten die Landesreferentinnen und -referenten  von Botschaftern des 6. und 8. Jahrgangs eine kompetente Führung durch die Schule mit zahlreichen Informationen zur pädagogischen Konzeption hinsichtlich der Möglichkeiten der gesellschaftlichen Partizipation und individueller Persönlichkeitsentwicklung unter durchaus inklusiven Gesichtspunkten. Ein fachlicher Austausch mit Regel- und Sonderpädagogen rundete die Hospitation ab.

(vgl. http://www.igs-landau.de/profil.html ).

Dank der Vermittlung der RP-Landesreferentin Susanne Esser trafen sich die Landesreferentinnen und Landesreferenten zu einem Fachaustausch mit Prof. Christian Lindmeier und Mitarbeiterinnen sowie Studierenden des impulssetzenden MoSAik-Teilprojekts IV.2 Landau im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung zum Thema Phasenübergreifenden Beratungsprofil: Sonderpädagogische Beratung in der inklusiven Schule , Universität Landau.

(vgl.  http://mosaik.uni-koblenz-landau.de/projektschwerpunkte/schwerpunkt-iv/sonderpaedagogische-beratung-in-der-inklusiven-schule/ )

Da die inhaltliche Verzahnung der drei Phasen der Lehrerbildung u.a. Diskussionsgegenstand der Landesreferentinnen und -referenten ist, bestand besonderes Interesse an den Ausführungen der Projektleiterinnen zum dargestellten Teilprojekt. Die Studierenden konstatierten überzeugend, dass eine durchgängige Theorie-Praxis Verzahnung über die drei Phasen der Lehrerbildung sich als effizient erweist, da sie dadurch ihren Kompetenzzuwachs im Bereich Beratung sichern können und profund für die zukünftige Tätigkeit als Sonderpädagogen und -pädagoginnen in unterschiedlichen Bildungskontexten vorbereitet sind.

Im Gespräch mit dem vds Landesvorsitzenden David Scheer wurden die Landesreferentinnen und -referenten über verbandliche Aktivitäten und aktuelle Entwicklungen des vds in Rheinland-Pfalz informiert. Der vds wird mit seiner Fachexpertise bei bildungspolitischen und  fachlichen Fragen auf  Kultusebene in RP einbezogen.  Gründe für Austritte von Mitgliedern und Schulen wurden erörtert und sind u.a. auf die Veränderungen im Bildungssystem (sukzessive Auflösung von Förderschulen in einzelnen Bundesländern) zurückzuführen.

3.

Bei der noch ausstehenden Antragsbearbeitung stand im Mittelpunkt die Diskussion um die Entwürfe zur Überarbeitung der Standards der sonderpädagogischen Förderung als Ergänzung zu den KMK-Standards der Lehrerbildung (2014) sowie der Entwurf der im BA 1/2017 gegründeten AG Sonderpädagogische Basiskompetenzen, an der Sibylle Roehr als Bundesreferentin beteiligt ist.

Als ein weiterhin relevanter und  unverzichtbarer Diskussions- und Arbeitsschwerpunkt wird der Bereich der sonderpädagogischen Diagnostik im Kontext der allgemein erforderlichen Diagnosekompetenzen aller Pädagogen eingestuft. Anhand eines Kurzberichts zum Fachgespräch sonderpädagogische Diagnostik in Kassel am 10.02.2017, an dem Bernd Ebert, Landesreferent aus Schleswig-Holstein teilnahm,  wurden die unterschiedlichen Anforderungen und Herausforderungen einer zirkulären, vernetzten und prozessorientierten sonderpädagogischen Diagnostik im Rahmen der Aus,- Fort- und Weiterbildung eruiert und Möglichkeiten der Umsetzung diskutiert. Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass  eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Psychologen als sinnvoll erachtet und begrüßt wird. Diagnostik im pädagogischen Kontext sollte allerdings weiterhin Domäne der Sonderpädagogen bleiben.

Vor dem Hintergrund eines sich weiterhin dynamisch verändernden Bildungssystems und den zunehmend heterogenen Zusammensetzungen des pädagogischen Personals an Schulen im Rahmen kooperativer Unterrichtsformen in multiprofessionellen Teams wurde für die Weiterarbeit der AFW-Referentinnen und -referenten der Austausch und die Vernetzung mit anderen Verbänden z.B. Verband GGG – Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule  und dem Grundschulverband  plädiert. Hier bieten sich gute Anknüpfungsmöglichkeiten durch das im am 20.01.2017  stattgefundene Fachgespräch zwischen vds und GSV, an dem Monika Glück-Arndt als stellvertretende AFW-Bundesreferentin teilnahm.

Für die HV 2017 wurden Anträge zur Qualität der Aus-,  Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften und von anderem schulischen Personal sowie  zum Schwerpunktthema Diagnostik formuliert.

4.

Im Bundesreferat Aus-, Fort- und Weiterbildung sind aktuell 14 Bundesländer vertreten. Als neue Landesreferentin in Bayern nahm  Annegret Sterz, die als Seminarleiterin in Regensburg die 2. Phase repräsentiert, teil.

Notwendig wäre, wenn die Bundesländer Hamburg und Baden-Württemberg zukünftig durch Landesreferentinnen und -referenten Aus-, Fort- und Weiterbildung vertreten werden würden, um die hoch engagierte Arbeitsgruppe zu unterstützen, zu bereichern und vom kompetenten fachlichen Austausch zu profitieren.

Für die Wahl zur Bundesreferentin im Rahmen der HV 2017 steht Sibylle Roehr für eine weitere Wahlperiode zur Verfügung.

Im Rahmen der allgemeinen Aussprache hinsichtlich der  neuen Entwicklungen im vds wird die engagierte und konstruktive Diskussion zur konzeptionellen Ausrichtung der Zeitschrift für Heilpädagogik als Teil der Agenda 2019  außerordentlich unterstützt.

Ebenfalls wird die Einbeziehung und Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern des AFW- Referats an vom Bundesvorstand initiierten Fachgesprächen nachdrücklich begrüßt.

Sibylle Roehr

 

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