Bericht aus dem Referat Sprache

Im Mai 2017 fand das jährliche Treffen des Bundesreferats Sprache in Paderborn statt. Neben dem weiterhin intensiven Austausch zur Umsetzung der Inklusion in den Ländern wurde zum einen schwerpunktmäßig am Thema des letzten Treffens weitergearbeitet, die Standards zu überarbeiten. Der Text wurde aktualisiert und um die Themen Nachteilsausgleich und lebenslanges Lernen ergänzt.

Der Nachteilsausgleich im Förderschwerpunkt Sprache stellt eine Hilfe dar, um das Anforderungsniveau zeigen zu können und sprachliche Barrieren abzubauen. Das Anforderungsniveau bei Leistungsfeststellungen bleibt dabei unberührt. Nachteilsausgleiche werden individuell angepasst.

Folgende Aspekte können beispielsweise beim Nachteilsausgleich Berücksichtigung finden:

Organisatorische Anpassung:

  • mehr Zeit sowohl für die Vorbereitung als auch für die Durchführung der Leistungsfeststellung (in allen Fächern mit den Anforderungen Lesen, Schreiben, Sprechen)
  • Leistungsfeststellung in Einzel- / Kleingruppensituationen
  • ablenkungs- und geräuscharme Umgebung

Personelle Hilfen:

  • Vorlesen von Texten oder Aufgabenstellungen (gilt auch für den Fachunterricht)

Technische Hilfen:

  • Laptop, Schreibhilfen, Diktiergerät

Didaktisch-methodische Hilfen:

  • Unterstützte Kommunikation (z.B. Gebärden)
  • zusätzliche Visualisierung – Strukturierungshilfen (z.B. Multiple Choice, Satzergänzung, Satzanfänge)
  • schriftliche statt mündliche Aufgaben bzw. mündliche statt schriftliche Aufgaben
  • Texte in leichter Sprache
  • Klärung von Fachbegriffen /Aufgabenstellungen.

 Zum anderen bildete das Thema DaZ / DaF (Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache) einen weiteren thematischen Schwerpunkt.

Die Dozentinnen der Universität Paderborn Prof. Dr. Julia Settinieri und Anne Mischendahl eröffneten die Sitzung mit einem Referat zum Thema ‘Deutsch als Zweitsprache – Einführung in Diagnostik und Unterrichtskonzepte’. Das ‘DaZ-Modul’ in Nordrhein-Westfalen sowie Vereinbarungen und Konzepte in Ostwestfalen-Lippe wurden zunächst kurz vorgestellt. Es schloss sich ein Verfahrensüberblick über sprachstandsdiagnostische Verfahren im Bereich DAZ / DAF an.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten sich anschließend in Kleingruppen mit verschiedenen diagnostischen Verfahren aus dem Bereich DaZ / DaF auseinander, um anschließend über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Verfahren aus dem Förderschwerpunkt Sprache zu diskutieren. Insbesondere die Fragestellungen nach Schnittstellen im Zweitspracherwerb und der Abgrenzung zum sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf im Förderschwerpunkt Sprache wurden lebhaft diskutiert. Im Schnittmengenbereich der Spezifischen Sprachentwicklungsstörungen (SSES) und der DaZ-Förderung wird seit geraumer Zeit intensiv geforscht. Es liegen mittlerweile Befunde vor, die mehrsprachigen Kinder mit einer SSES bessere Entwicklungsmöglichkeiten als monolingualen Kindern mit einer SSES zuschreiben. Zudem zeigte sich, dass mehrsprachige Kinder mit der SSES nicht mehr sprachsystemische Auffälligkeiten als monolinguale Gleichaltrige zeigten. Hingegen gibt es Phänomene von Auffälligkeiten in der Entwicklung syntaktisch-morphologischer Fähigkeiten, mit denen sich mehrsprachige Kindern mit Bedarf einer DaZ-Förderung nur schwer von ein- und mehrsprachigen Kindern mit einer therapiebedürftigen SSES unterscheiden lassen.

Die diagnostischen Möglichkeiten zur Differenzierung befinden sich an verschiedenen Forschungsstätten derzeit erst in der Entwicklung. Zudem bedarf es der mehrsprachigen Sprachförderexperten und Sprachtherapeuten, die diese Diagnostik durchführen können.

Die Tagungszeit reichte leider nicht aus, um zu abschließenden Positionen zu kommen. Als Ergebnis wurde festgehalten, dass eine Kooperation zwischen beiden Forschungsgebieten nötig und sinnvoll ist und fortgesetzt werden sollte.

Am Ende der Tagung verabschiedeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den stellvertretenden Bundesvorsitzenden Jörg Mußmann aus dieser Runde, der sich nicht wieder zur Wahl stellen wird. Sie dankten ihm für seine konstruktive Arbeit, insbesondere die fachlichen Standards und Positionspapiere tragen seine fachwissenschaftliche Handschrift. Jörg Mußmann bot an, dem Referat weiterhin mit seinem wissenschaftlichen Knowhow zur Verfügung zu stehen, zum Beispiel in einer Kooperation als wissenschaftlicher Beirat. Eine solche Möglichkeit der Kooperation wurde von allen sehr begrüßt. Der Dank gilt der Landesreferentin aus Nordrhein-Westfalen, Uschi Wulff, die neben der hervorragenden Organisation in der Erich-Kästner-Schule den Stadtrundgang kompetent begleitete. Das nächste Treffen des Bundesreferats Sprache wurde für Ende April 2018 in Berlin vereinbart.

Heike Raffalski

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