Gesundheit und Krankheit bei Menschen mit geistiger Behinderung
Meindert Haveman, Reinhilde Stöppler (2014)

Meindert Haveman und Reinhilde Stöppler entwerfen in ihrer Publikation „Gesundheit und Krankheit bei Menschen mit geistiger Behinderung“ eine interdisziplinär ausgerichtete Grundlegung für die Geistigbehindertenpädagogik mit dem Ziel einer inklusiven medizinisch-pädagogischen Begleitung. Konkret meinen die Autoren das „Ziel einer gesunden Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung an der Gesellschaft“, weshalb „Kernkonzepte und Grundbegrifflichkeiten der verschiedenen Disziplinen auf verständliche Weise in ihrer Bedeutung“ vermittelt und in „gemeinsamer Kommunikation“ (11) genutzt werden sollen.

Hierzu bieten die Autoren nach der Einführung in die Thematik und der allgemeinen Definition von Gesundheit und Krankheit in Anlehnung an WHO und ICF differenzierte Hinweise zur interdisziplinären Zusammenarbeit (bspw. zwischen Pädagogen und Psychologen oder auch die Kooperation mit Begleitpersonen). Daran anschließend macht die Zusammenschau möglicher Barrieren wie die eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit beim Arztbesuch oder das Aufzeigen der Hürden des Gesundheitssystems Hemmnisse einer inklusiven medizinischen Begleitung deutlich. Die Kapitel 6 („Entwicklung und Krankheit“) und 7 („Gesundheit und Krankheit in der Lebensspanne“) verdeutlichen einmal mehr die heterogene Zusammensetzung des Personenkreises der Menschen mit sogenannter Geistigen Behinderung sowie aus den Erkenntnissen hervorgehend die Notwendigkeit einer früh beginnenden präventiven und dann kontinuierlich vernetzenden sonderpädagogischen Zuwendung mit interdisziplinärer Ausrichtung.

Eine große Stärke des Buchs liegt in der Vermittlung der Einsicht in kooperative Strukturen und der Notwendigkeit des Dialogs zwischen den Disziplinen. Aktuelle, vielschichtige (nationale wie internationale) Literaturhinweise und eine praxisorientierte, teilhabebezogene Ausrichtung für den Pädagogen mit den Kapiteln zur psychischen Gesundheit, Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Störungen, dahingehenden Risikofaktoren, körperlichen Krankheiten, eine umfassende Berücksichtigung zu Syndrom spezifischen Risiken und Erkrankungen sowie die abschließenden Kapitel zur Diagnostik, Gesundheitsförderung und Prävention im schulischen und außerschulischen Setting machen die Veröffentlichung zu einem wichtigen, medizinisch-pädagogisch fundierten Beitrag im aktuellen Diskurs um Inklusion.

Der Band ist unbedingt lesenswert und wichtig (auch als Nachschlagewerk) für den schulischen und zugleich vor- und nachschulischen Bereich.  

Holger Schäfer

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