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Bericht aus dem Referat Geistige Entwicklung

Vom 09. bis 11. Juni 2016 tagten die Landesreferentinnen und -referenten des Referats Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung an der Burgfeld-Schule in Fürstenwalde. Ein großes Dankeschön geht an Susanne Rabe für die Organisation.

Am ersten Tag war Gelegenheit zum engen Austausch über den aktuellen Stand der sonderpädagogischen Förderung im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung in den einzelnen Bundesländern. Zusammenfassend ergibt sich folgendes Bild:
Bundesweit steigt die Zahl von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“: Die Förderquote gemäß KMK ist bundesweit kontinuierlich von 0,816% (2003) auf 1,121% (2014) angestiegen. Damit verbunden geraten viele Förderschulen/-zentren mit diesem Förderschwerpunkt an ihre Leistungsgrenzen und Aufnahmekapazitäten.
Die Quote der Schülerinnen und Schüler in der inklusiven Beschulung ist hingegen in den meisten Bundesländern weiterhin als eher gering zu bezeichnen.

Mit der steigenden Zahl geht auch eine spürbare Veränderung der Schülerschaft einher. So berichten viele Kolleginnen und Kollegen aus allen Bundesländern sowohl von einer Zunahme an „komplexen“ Behinderungen als auch von immer mehr Schülerinnen und Schülern, die Kompetenzen im Grenzbereich hin zum sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen zeigen.

Um die inklusive Beschulung voranzubringen, setzen die Bundesländer weiterhin auf unterschiedliche Modelle. So sind zentrale Beratungs- und Diagnostikzentren wie z.B. in Berlin das Schulpsychologische und Inklusionspädagogische Beratungs- und Unterstützungszentrum oder in Bremen das Regionale Beratungs- und Unterstützungszentrum ebenso zu verzeichnen wie die Einrichtung von inklusiven Schwerpunktschulen. Eine weitere Form zur Umsetzung von inklusiver Bildung für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung sind kooperative Modelle, wie beispielsweise in Baden-Württemberg oder Schleswig-Holstein.

In mehreren Bundesländern kommt es zunehmend zu personellen Engpässen bei der Versorgung mit Sonderschullehrkräften. Diese Engpässe dürfen aber nicht zu dauerhaften Abstrichen in der Qualifizierung des Personals führen. Für die gegebenenfalls notwendige Beschäftigung von Quereinsteigern müssen umfassende Angebote zur Qualifizierung angeboten werden.

In mehreren Bundesländern sind zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Angebote zur inklusiven Bildung in der Sekundarstufe II für Menschen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung vorhanden. Hier gilt es dringend, Angebote zu entwickeln. Eine Umfrage unter den Landesreferentinnen und -referenten soll initiiert werden, die Aufschluss über Art und Umfang existierender Angebote geben soll. In einigen Bundesländern gibt es eine externe Diagnostik bei vermutetem Förderbedarf Geistige Entwicklung. Die Vor-und Nachteile „interner“ und „externer“ Diagnostik sollen auf dem nächsten Referententreffen näher beleuchtet werden.

Zu Beginn des zweiten Tages gab Susanne Rabe einen konkreten Einblick in die Arbeit der Burgdorf- Schule, in der eine hohe Anzahl von Schülerinnen und Schüler mit Autismus-Spektrums-Störung unterrichtet werden. Am Beispiel dieser Schule wird deutlich, welche Möglichkeiten ein gut abgestimmtes Raumkonzept im Sinne des TEACCH-Konzepts bietet. Die besondere Bedeutung von Strukturierungen und Visualisierungen für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung wird von allen Landesreferentinnen und -referenten hervorgehoben.

In einem kurzen Fachvortrag erläuterte Susanne Rabe den Einsatz von iPads im Unterricht. Am Beispiel der vorhandenen Medien der Burgdorf- Schule wurden diverse Möglichkeiten zur Nutzung digitaler Medien in der Bildung von Schülerinnen und Schülern mit Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung im Unterricht aufgezeigt und kritisch diskutiert. Sogenannte „neue Medien“ können den Menschen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung vielfältige neue Handlungsmöglichkeiten bieten, zu einer bedeutend höheren sozialen Unabhängigkeit beitragen und damit die Lebensqualität umfassend verbessern. Sie können zukünftig einen erheblichen Beitrag zu einem deutlich gesteigerten Erleben von mehr Autonomie und Unabhängigkeit und somit von mehr Teilhabe und Inklusion leisten. Daraus resultierende Überlegungen der Landesreferentinnen/-referenten zu möglichen Standards fließen direkt in den anstehenden Tagesordnungspunkt „Aktualisierung der Standards“ ein.

Die Standards zur sonderpädagogischen Förderung im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung wurden überarbeitet und an mehreren Stellen aktualisiert. Die bestehenden Standards aus dem Jahr 2012 bildeten eine gute Basis. Weiterhin soll eine die Standards ergänzende Datei in Tabellenform entwickelt werden, in der zu den einzelnen Aspekten jeweils Indikatoren, Hinweise, Anregungen usw. ausgearbeitet werden. Auf dem nächsten Treffen in 2017 sollen aus den Standards ggfs. Positionen des vds abgeleitet werden.

Am letzten Tag wurden zwei Anträge bearbeitet, die während der letzten Bundeshauptversammlung abgestimmt und an das Bundesreferat Geistige Entwicklung zur Konkretisierung delegiert wurden: – Antrag 24: Bildungsanspruch bei intensivem Unterstützungsbedarf – Antrag 13: Hilfsmittelversorgung, Bildungsangebote und Flüchtlingskinder.

Das nächste Treffen der Landesreferentinnen/-referenten wird vom 11.05. bis 13.05.2017 in Hanau stattfinden. Gastgeberin ist dann Bettina Roeschen. Bisher sind folgende Arbeitsschwerpunkte anvisiert: Zum einen soll eine Zusammenstellung von Kriterien für einen pädagogisch sinnvollen Einsatz medizinischen Pflegepersonals erfolgen (Bearbeitung Antrag 11 HV Berlin). Zum anderen wird voraussichtlich in Anlehnung an die überarbeiteten Standards zum Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung an folgenden Aspekten gearbeitet: – Gelingensbedingungen für Formen von Kooperation als Möglichkeit zur inklusiven Bildung – Möglichkeiten externer und interner Diagnostik – Indikatoren bzw. Hinweise für den Einsatz von Medien in der Bildung – Ableitung von Positionen des Verbands Sonderpädagogik

Hendrik Reimers

 

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