Diese Seite verwendet Cookies. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu und akzeptieren unsere Datenschutzerklärung.
Tagung Pädagogik bei Krankheit

Vom 20. bis 22. März 2019 trafen sich in Eckernförde die Referentinnen und Referenten der Länder für Pädagogik bei Krankheit.

Die Tagung begann wie üblich mit Berichten aus den Bundesländern. Dabei stand die aktuelle Situation des schulischen Angebots für kranke Schülerinnen und Schüler im Vordergrund. Als neuer Trend zeigte sich übergreifend der Trend der Sexualitätsfindung in psychiatrischen Einrichtungen. Des Weiteren bezogen sich die Berichte auf Medienkonzepte und die Ausgestaltung von Räumen an Schulen für Kranke. Aus mehreren Bundesländern wurde über Schulvermeider in der Grundschule und über die Zunahme von atypischen Anorexien bei Jungen berichtet. Es wurde die Frage diskutiert, wie lange Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Ländern erkrankt sein müssen, bevor sie das Angebot des Krankenhausunterrichts oder der Schule für Kranke in Anspruch nehmen können.

Im Zentrum der Tagung stand die umfassende Informationsveranstaltung im Landesförderzentrum Hesterberg des Landes Schleswig-Holstein in Schleswig. In zwei Vorträgen wurden vielfältige Aspekte des Zentrums aufgezeigt.

Die Schule Hesterberg ist eine eigenständige, öffentliche Schule, die der Fachklinik in Schleswig angegliedert ist. Sie bietet Unterricht für alle Kinder und Jugendlichen an, die sich in stationärer oder teilstationärer (Tagesklinik) Behandlung befinden. Der Unterricht findet in eigenen Gebäuden auf dem Klinikgelände statt. Die Schule verfügt über Klassenräume, Fachräume für Naturwissenschaft, Kunst, Musik, Textiles Werken, Tonwerken, Sport, Hauswirtschaft und ITG/Computer.

Auf der Homepage der Schule ist das informative Schulprogramm des Landesförderzentrums Hesterberg dargestellt. Es gibt ausführliche und wissenswerte Informationen zur Geschichte der Einrichtung und ihren gegenwärtigen besonderen Merkmalen und insbesondere der Struktur der schulischen Arbeit. Hervorzuheben sind die Kommunikationsstrukturen der Schule und die Ausführungen zum klassischen Thema der Kommunikation zwischen Klinik und Schule, vor allem die Zusammenarbeit mit der Heimatschule. Die Referentinnen konnten sich ausführlich über die Aufgaben des Landesförderzentrums und neue Entwicklungsschwerpunkte informieren und Anregungen für ihre Länder mitnehmen.

Bedeutsam für die Pädagogik bei Krankheit sind die pädagogischen Leitsätze des Schulprogramms der Schule Heisterberg. Sie eignen sich auch als Anregungen für Schulprogramme der Einrichtungen für andere Förderschwerpunkte:

Jeder Schüler ist in erster Linie Patient!
Wir sehen den Schüler als Gesamtperson, dessen augenblickliche Lebensprobleme im Vordergrund stehen. Seine Befindlichkeit muss bei allen Anforderungen berücksichtigt werden. Das Wissen über seine Krankheit/seine Störung und das Behandlungskonzept ist für seine optimale Förderung notwendig. Unser Ziel bleibt es, zu fördern und zu fordern:
„Soviel Alltag wie möglich, soviel Schonraum wie nötig“

Probleme wollen wir gemeinsam lösen.
Wir nehmen den Schüler als eigenständige Person wahr und achten sein Selbstkonzept und seine Lösungsstrategien. Gemeinsam entwickeln wir neue Lösungswege und Handlungsstrategien für Problemsituationen und begleiten den Schüler bei der Umsetzung. Es besteht Verlässlichkeit in unserer Bereitschaft, jederzeit mit dem Schüler Konflikte gemeinsam zu lösen. Bei Gewalt schauen wir nicht weg. Bei allem gilt:
„Die konstruktive Lösung hat Vorrang“

Wir begegnen uns in gegenseitiger Achtung und Wertschätzung.
Wir nehmen den Schüler unabhängig von seinem Verhalten an. Dadurch können wir ohne persönliche Betroffenheit reagieren und professionell auf den Schüler eingehen. Gegenseitigkeit bedeutet auch, dass wir ein achtendes und wertschätzendes Verhalten von den Schülern erwarten. So wie wir uns im kollegialen Alltag begegnen, sind wir Vorbilder für unsere Schüler:
„Erwachsene sind immer Vorbilder“

Wir nehmen uns Zeit für jeden Schüler.
Schon im Aufnahmegespräch nehmen wir uns ausreichend Zeit, um einen persönlichen Kontakt aufzubauen und den Schüler nicht nur von seiner schulischen Seite, sondern als Gesamtperson kennen zu lernen. Bei Störungen nehmen wir uns Zeit, hören den Schüler an und reagieren situationsangemessen. Unser Arbeitszeitmodell ermöglicht einen bewussten Umgang mit Zeit – auch über die Pflichtstunden hinaus:
„Präsent sein“

Wir fördern und begleiten jeden Schüler individuell.
Die heterogene Zusammensetzung der Lerngruppen und die unterschiedlichen Krankheitsbilder und Störungen erfordern eine Individualisierung des Unterrichts. Dabei orientieren wir uns an den Stärken und Schwächen des Kinds und unterstützen ein selbstbestimmtes Lernen, das der momentanen Situation des Schülers angepasst ist. Sowohl schulleistungsbezogene als auch pädagogische Ziele werden aufgestellt und schrittweise umgesetzt:
„Jeder Mensch ist einzigartig“

Wir wollen Interesse und Freude am Lernen erhalten und wecken.
Viele Schüler haben bedingt durch ihre Probleme die Freude am Lernen verloren; sie trauen sich nichts mehr zu. Wir wollen wieder neugierig auf die Schule und das Lernen machen. Durch altersentsprechende Einbeziehung des Schülers bei der Stundenplangestaltung, Mitbestimmung der Unterrichtsinhalte und des Umfangs übernimmt der Schüler Selbstverantwortung und lernt sich schrittweise wieder auf Schule einzulassen. Unsere spezielle Schulstruktur gibt dabei Unterstützung und Sicherheit und bietet die Möglichkeit zur individuellen und regelmäßigen Rückmeldung:
„Erfolg macht selbstbewusst und stark“

Dagmar Brunsch

Landesreferenten Pädagogik bei Krankheit

zurück