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Landesreferententreffen Aus-, Fort- und Weiterbildung 2019 in Wittenberg

Vom 27. bis 29. Mai 2019 fand das Treffen der Landesreferentinnen und -referenten für Aus-, Fort- und Weiterbildung in Wittenberg statt, an dem 13 Bundesländer vertreten waren. Als neue Landesreferentin für die 2. Phase in NRW nahm Sabine Ladwig teil, die am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) Bielefeld als Fachleiterin für Lernen, EsE und Deutsch tätig ist. Die Arbeitstagung fand in der Stiftung LEUCOREA statt, die als Forschungs-und Tagungsstätte der Universität Halle/ Wittenberg angebunden ist.

Die Arbeitstagung umfasste folgende Schwerpunkte:

  • Länderübergreifender Austausch und Einschätzung zu spezifischen Bereichen der Lehrerbildung im Lehramtstyp 6 Sonderpädagogik
  • Fachaustausch mit Prof. Sallat der Universität Halle /Wittenberg
  • Referats- und verbandsbezogene Tätigkeiten und Aufgaben im Referat AFW

Länderübergreifender Austausch und Einschätzung zu spezifischen Bereichen der Lehrerbildung im Lehramtstyp 6 Sonderpädagogik

Als Grundlage für einen vergleichenden Überblick zur länderübergreifenden und länderspezifischen Entwicklung in allen drei Phasen der Lehrerbildung des Lehramts Sonderpädagogik und für einen fachlichen Diskurs zu zentralen Themenbereichen und Fragestellungen diente die Synopse der kriteriengeleiteten Mastermatrix. Zur kompakten grafisch-visuellen Darstellung relevanter Aspekte zur aktuellen bildungspolitischen Situation in den jeweiligen Bundesländern wurde das Format der Poster Präsensation fortgesetzt und ermöglichte somit einen vertiefenden informellen Austausch unter den Teilnehmenden.

Als gemeinsamer Nenner für alle vertretenden Bundesländer können aus der Perspektive der Landesreferent*innen weiterhin folgende Einschätzungen geltend gemacht werden:

Der Umsetzungsprozess der Inklusion im schulischen Kontext kann bei durchaus positiven Ansätzen durch den weiterhin ausgeprägten Lehrkräftemangel mit entsprechenden Auswirkungen als komplex und kompliziert umrissen werden. Vor dem Hintergrund der aktuellen bildungspolitischen Situation wird besonders kritisch der drohende Verlust sonderpädagogischer Fachlichkeit eingeschätzt.

Auf administrativer Ebene wäre es wünschenswert, wenn das bildungspolitische Agieren vor dem Hintergrund der aktuellen personellen, strukturellen und konzeptionellen Herausforderungen mit mehr zielführender parteiübergreifender Weitsicht vorangetrieben und weniger an Legislaturperioden orientiert ausgerichtet werden würde.

Im Widerspruch zum Fachkräftemangel sind noch immer nicht genügende Ausbildungskapazitäten und -standorte nicht nur bei den sog. „kleinen“ Fachrichtungen (Sehen, Hören, Körperlich-motorische Entwicklung) in der ersten und zweiten Phase der Lehrerbildung zu verzeichnen. Paradox erscheint hierbei die künstliche Verknappung von Studienbewerberinnen und -bewerbern durch hohe NC-Noten insbesondere bei kleinen Fachrichtungen, was wiederum zur Folge hat, dass aufgrund der künstlich niedrig gehaltenen Bewerbungen der Erhalt von Studiengängen gefährdet ist. Die für dieses Jahr bereits geplante Öffnung des Studiengangs Sonderpädagogik an der Uni Regensburg wurde verschoben.

Eine Kapazitätserhöhung von Ausbildungsplätzen für Sonderpädagoginnen und -pädagogen sowohl in der ersten als auch in der zweiten Phase der Lehrerbildung mit besonderer Berücksichtigung der vorab genannten Fachrichtungen bleibt weiterhin unabdingbare Forderung.

Als neue folgerichtige sonderpädagogische Anforderung wird die qualifizierte Ausbildung im Bereich der Berufsbildenden Schulen im Hinblick auf inklusive Bildung und entsprechend angepasste Konzepte gesehen. Anlass für eine diesbezügliche Diskussion war der HV-Antrag 40 „Berufspädagogische Inhalte im Studium zum Lehramtstyp 6“ des Referats Berufliche Bildung, das um kollegiale Rückmeldung zum und Unterstützung des Antrags bat.

Die Landesreferentinnen und -referenten nutzten die Arbeitstagung, um sich eingehend über Frage- und Problemstellungen lösungsorientiert auszutauschen, die sich im inklusiven Bildungskontext ergeben. Als deutlich diskrepant wird die teilweise noch nicht gelungene sowohl inhaltliche als auch organisatorische Abstimmung zwischen der ersten und zweiten Phase der Lehrerbildung hinsichtlich der Vorbereitung, in inklusiven Settings zu unterrichten, wahrgenommen.

Als vielsprechendes Beispiel für einen dringend benötigten phasenübergreifenden Ansatz kann hier auf das Konzept der Uni Landau, das den Projekten der Qualitätsoffensive Bildung zugeordnet wird, verwiesen werden (vgl. Konzept SoBis https://mosaik.uni-koblenz-landau.de/projektschwerpunkte/ schwerpunkt-iv/sonderpaedagogische-beratung-in-der-inklusiven-schule)

Der Bedarf, sich über einheitliche Standards für eine gemeinsame Ausbildung in multiprofessionellen Tandems in der zweiten Phase (Referendariat Grundschul- und Sonderpädagoginnen und -pädagogen) zu verständigen, ist offensichtlich und unabdingbar. Dazu zählen u.a. gleiche Ausbildungsdauer und transparente Bewertungskriterien für unterrichtliche Prüfungsleistungen.

Mit Blick auf die dritte Phase der Lehrerbildung wurde besonders hervorgehoben, dass die Qualität und Quantität der Fortbildungen gemäß der gestiegenen Anforderungen für Sonderpädagoginnen und -pädagogen , die in inklusiven Bildungseinrichtungen mit zunehmender Heterogenität in puncto Fachrichtungen tätig sind, angepasst und verbessert werden müsste, damit die notwendige Fachlichkeit einerseits erhalten, andererseits als Orientierungswissen bzgl. nicht studierter Fachrichtungen vermittelt werden kann.

Übereinstimmend wurde erneut der notwendige, geschärfte konstruktivkritische Blick des vds auf die Qualität von Weiterbildungsangeboten, die den sonderpädagogischen Fachkräftemangel kompensieren sollen, bekräftigt.

Fachaustausch mit Prof. Sallat der Universität Halle /Wittenberg

Dank der Vermittlung der Landesreferentin Bianca Borlich konnte Herr Prof. Sallat, Uni Halle/Wittenberg, für ein Fachgespräch gewonnen werden. In seinem Beitrag skizzierte Prof. Sallat, wie dem bestehenden Dilemma der „kleinen“ Fachrichtung Hören (rep. Hörgeschädigtenpädagogik) begegnet werden könnte.

Er stellte ein in Planung begriffenes interessantes länderübergreifendes (Sachsen-Anhalt und Sachsen) Konzept vor, bei dem es sich um einen pragmatisch angelegten Ansatz handelt, der ggf. als Modell für weitere Regionen im sonderpädagogischen Bildungssektor fungieren könnte. Neben zwei grundständig studierten Fachrichtungen würde Hörgeschädigtenpädagogik (HGP) als 3. Fachrichtung mit geringerem Umfang studiert, was dem Umstand der Finanzierbarkeit geschuldet ist. Geplant wird mit einer Kohorte von einer Anzahl an Ausbildungsplätzen, die im unteren zweistelligen Bereich liegt.

Prof. Sallat betont, dass es sich hierbei um eine pragmatisch orientierte Lösung handelt und begründet dies damit, dass eine schleichende Deprofessionalisierung vermieden und wichtige Kompetenzen im diagnostischen und didaktisch-methodischen Bereich erhalten werden müssen, um so Schüler mit ausgewiesenem Förder- und Unterstützungsbedarf Hören/Kommunikation angemessen unterrichten sowie Kollegen und Eltern professionell beraten und unterstützen zu können.

Referats- und verbandsbezogene Tätigkeiten und Aufgaben im Referat AFW

Durch die Ratifizierung der BRK und den damit einhergehenden strukturellen Veränderungen auf institutioneller Ebene, zu denen u. a. die sukzessive Auflösung von Förderschulen (L-S-V) zu nennen sind, ergeben sich neue Anforderungen bzgl. der Rolle und Funktion von Sonderpädagoginnen und -pädagogen in inklusiven Kontexten. Damit verbunden sind Fragen zur professionellen Identität, wenn als erschwerend hinzukommt, dass teilweise noch nicht ausreichende schulische Rahmenbedingungen zur Bildung, Erziehung und Förderung von Schülern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf im gemeinsamen Unterricht vorhanden sind.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Bestandsaufnahme aus dem Bereich Aus-, Fort- und Weiterbildung und des sich ergebenen intensiven und impulssetzenden Austauschs wurden folgende Arbeitsergebnisse erzielt:

  • Überarbeitung des Positionspapiers Berufsbild Sonderpädagog*innen im inklusiven Bildungssystem
  • Zusammenstellung von Veranstaltungsvorschlägen für den Bundesfachkongress zur Lehrerbildung 2020
  • Formulierung von referatsrelevanten HV-Anträgen.

Die nächste Arbeitstagung findet vom 18. bis 20.05.2020 in Schleswig-Holstein statt.

Sibylle Roehr

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