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Symposium mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs Sonderpädagogik
Der Verband Sonderpädagogik schaffte eine Plattform zum Meinungsaustausch

Auf Einladung des Verbands Sonderpädagogik trafen sich am 15.10.2011 zwölf junge Wissenschaftler aus dem Bereich Sonderpädagogik von den Universitäten Köln, Dortmund, Würzburg, Bremen, Oldenburg, Heidelberg und Reutlingen in Würzburg zu einem fachlichen Meinungsaustausch. Damit bot der vds dem wissenschaftlichen Nachwuchs aus den Bereichen Lernen und Sozial-Emotionale Entwicklung eine Plattform, frei von jeglichem Qualifizierungsdruck interessante wissenschaftliche Ideen zur Entwicklung zukunftsträchtiger Ansätze der sonderpädagogischen Forschung auszutauschen. Moderiert wurde die Veranstaltung, die im Vorfeld auf die beiden Themenschwerpunkte „Inklusion – Perspektiven sonderpädagogischer Forschung“ und „Diagnostik – Auflösung oder Professionalisierung“ festgelegt wurde, von Prof. Dr. Clemens Hillenbrand. Dieser hatte zusammen mit dem Bundesvorsitzenden des vds, Stephan Prändl, die Idee zu diesem fachlichen Austausch.

Eine kurze Einführung in den ersten Themenschwerpunkt gab Juniorprofessor Dr. Christian Huber, Universität zu Köln. Er stellte in seinem Input die Frage nach den Gelingensbedingungen von Inklusion, so z. B. nach integrationsförderlichem Lehrerverhalten und nach einer entsprechenden Didaktik.

Die anschließende Diskussion machte die derzeitige Umstrukturierungssituation deutlich und warf weitere kritische Fragestellungen auf, die natürlich in der Kürze der Zeit nicht beantwortet werden konnten:

  • Wie sieht es mit der Lehrerrolle in der inklusiven Schule aus? Wie weit sind die Pädagogen darauf vorbereitet?
  • Was hat die Sonderpädagogik an Forschung anzubieten? Wie muss eine fundierte Forschung für die schulische Praxis aussehen?
  • Arbeiten wir zu viel mit Befragungen, mit zu vielen Querschnittstudien? Sollten wir uns nicht mehr auf Längsschnittstudien konzentrieren und mehr experimentelle Forschung betreiben?
  • Wie kann z. B. eine Begleitforschung da ansetzen, wo bereits Module zur Lehrerqualifizierung greifen? Und wie werden diese wissenschaftlichen Ergebnisse transportiert?
  • Wie sieht es mit der Lehrergesundheit aus? Studien weisen auf den Zusammenhang von inklusiver Beschulung und der Zunahme von Burnout bei Lehrkräften hin.
  • Wie hilfreich ist das Response-to-Intervention Modell? Wie kommen wir zu diagnostischen Verfahren, die diese Konzeption unterstützen?

Der kurze Impuls zur Nachmittagsrunde unter dem Titel „Diagnostik – Auflösung oder Professionalisierung?“ setzte an dieser Thematik an. Dr. Jürgen Wilbert aus Köln betonte zunächst, dass Diagnostik implizit zu jedem erzieherischen Prozess gehört. Der Adressat diagnostischer Ergebnisse ist in erster Linie der Lernende selbst! Die in der Sonderpädagogik seit 40 Jahren geführte Frage nach dem Sinn von Diagnostik ist daher eigentlich obsolet.

Auch zu diesem Thema wurde die Diskussion angeregt und engagiert geführt. Im Mittelpunkt standen Fragen wie

  • Muss nicht der Begriff Diagnostik aufgrund der vorhandenen Missverständnisse ersetzt werden?
  • In welchem Zusammenhang steht in einem inklusiven Bildungssystem die Diagnostik zur Gewährung von Ressourcen?
  • Müssen nicht in erster Linie Kriterien des Lern- und Entwicklungsprozesses als Bezugsnorm gewählt und dem Lernen gespiegelt werden?
  • Welche Verfahren sind in Zukunft für die Diagnostik im inklusiven Bildungssystem zu entwickeln? Welchen Beitrag können dabei die bereits vorliegenden, standardisierten Verfahren leisten?
  • Wie kann eine konsequente Verbindung von Unterricht und Diagnostik erfolgen?

Diese Fragen machten aber deutlich, wie wichtig dieser durch den vds angeregte Austausch war. Die abschließende Bilanzierung zu den Perspektiven sonderpädagogischer Förderung zeigte auf, dass die Teilnehmer den fachlichen Austausch übereinstimmend sehr positiv beurteilten – viele Anregungen für zukünftige Forschungsanstrengungen und weiteren Austausch wurden gewonnen. Übereinstimmung bestand darin, dass die fehlende systematische Unterstützung der Forschung in der Sonderpädagogik die Beantwortung dieser wichtigen Fragen deutlich erschwert.

Einig waren sich alle Wissenschaftler darin, dass die Forschung auf die normative Setzung Inklusion reagieren muss, dass es nicht mehr darum geht, den Blick zurück zu werfen, sondern dass es darum gehen muss, eine gemeinsame Vision zu entwickeln, wie es in einem inklusiven System weiter gehen kann und wie es gelingen kann, das momentane Change Management als Chance zu nutzen.

Der Verband Sonderpädagogik sicherte zu, eine solche Plattform des wissenschaftlichen Austauschs für den jungen Nachwuchs an den sonderpädagogischen Studienstätten in Deutschland auch zukünftig zu bieten.

Marianne Schardt, Clemens Hillenbrand

Teilnehmer von den Universitäten am Symposium:

Vertr.-Prof. Dr. Michaela Greisbach, Technische Universität Dortmund
Dr. Michael Grosche, Universität zu Köln
PD Dr. Blanka Hartmann, Universität Bremen
Vertr.-Prof. Dr. Thomas Hennemann, Universität zu Köln
Dr. des. Anna-Maria Hintz, Universität zu Köln
Prof. Dr. Christian Huber, Universität zu Köln
Dr. Conny Melzer, Universität Oldenburg
Vertr.-Prof. Dr. Bernhard Rauh, Pädagogische Hochschule Reutlingen
PD Dr. Heinrich Ricking, Universität Oldenburg
Dr. Robert Vrban, Pädagogische Hochschule Heidelberg
Dr. Jürgen Wilbert, Universität zu Köln

Für den Verband Sonderpädagogik waren vertreten:

Prof. Dr. Clemens Hillenbrand
Stephan Prändl
Dr. Peter Wachtel

Als Gast nahm teil:

Prof. Dr. Stephan Ellinger, Universität Würzburg


 

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