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Therapeutische Erziehung: Resiliente Erziehung in Familie, Krippe, Kita und Grundschule. Heilpädagogisch-ärztliche Grundlagen.
Neuhäuser, G. & Klein, F. (2019), München: Burckhardthaus, ISBN: 9783963046056

Dieses Buch baut auf den Erkenntnissen der beiden Autoren auf, die sie einerseits im Jahre 2006 unter dem Titel „Heilpädagogik als therapeutische Erziehung“ für einen wissenschaftlichen Diskurs publiziert hatten und in dieser Fortsetzung für ein therapeutisch-pädagogisches Grundverständnis von einer humanistisch orientierten, individuellen Entwicklungsbegleitung des Kindes in der Familie sowie in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen weiterentwickelt und konkretisiert haben. Ihr Wunsch und zugleich ihr Ziel ist es auch, das humanistische Selbstverständnis, das der Korczak-Pädagogik zu Grunde liegt, in die persönliche und berufliche Haltung von Eltern und Fachkräften in Krippe, Kindergarten, Grundschule sowie sonder-/heilpädagogische Einrichtungen hineinzubringen, um das salutogenetische Prinzip zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit wirksam werden zu lassen.

Entsprechend sind die Aufbaustruktur der Kapitel dieser Publikation und die spezifischen Ausführungen gegliedert und thematisch punktgenau ausgeführt. Kapitel 1 wendet sich der Theorie und Praxis einer therapeutischen Erziehung zu, indem die therapeutische Erziehung als eine inklusive und interdisziplinäre Praxis vorgestellt wird, um dann am Beispiel eines heilpädagogisch- therapeutischen Handelns darzustellen, welche Aspekte einer besonderen Beachtung bedürfen. Das 2. Kapitel bezieht sich auf eine medizinische Heilpädagogik im Hinblick auf eine Gesundheitserziehung, in der Kinder mit einem besonderen Entwicklungsbedarf von Anfang an Annahme, Gerechtigkeit, Wertschätzung und Respekt erfahren können. Das 3. Kapitel handelt von diagnostischen Voraussetzungen einer therapeutischen Erziehung, dem Beurteilen des kindlichen Entwicklungsstands, den vielfältigen Ursachen von Entwicklungsstörungen sowie den Konsequenzen bezüglich einer ärztlich-heilpädagogischen Diagnostik. Im 4. Kapitel „Behandeln und Beraten bei therapeutischer Erziehung“ gehen die Autoren auf die möglichen unterschiedlichen medizinisch-ärztlichen Behandlungen sowie physikalischen / physiotherapeutischen Maßnahmen und die Ergotherapie, Logopädie sowie Mototherapie ein. Im letzten, 5. Kapitel, finden Leserinnen und Leser viele Handlungsimpulse von/ für Eltern sowie Fachkräfte(n) unter dem Selbstverständnis als therapeutische Erzieherinnen und Erzieher, indem auf die Arbeitsgemeinschaft Erzieherin und Arzt, auf Präventionsarbeit, die drei leitenden Prinzipien (Salutogenese, Logotherapie, Rhythmus und Bewegung) sowie in ganz besonderer Weise auf die therapeutische Erziehung nach dem „Situationsorientierten Ansatz“ eingegangen wird.

Diese Publikation ist sicherlich noch mehr als eine heilpädagogisch-ärztliche Orientierungshilfe zur aktiven, reflexiven salutogenetischen Entwicklungsbegleitung von Kindern mit besonderen Erziehungsbedürfnissen. Sie fördert (und fordert) die eigene Auseinandersetzung mit dem beruflichen – und damit auch persönlichen – Selbst- und Arbeitsverständnis als die wesentliche Grundlage für eine Haltung im Korczak’schen Sinne. Damit gehört dieses Buch sicherlich zur Grundlagenliteratur aller Studierenden, die sich von einer früheren, üblicher Weise eher stark funktionsorientierten und fachdisziplingetrennten Sicht verabschieden wollen. Gleichzeitig bieten die Inhalte für Kindheitspädagoginnen und -pädagogen sowie verwandten Berufen und Grundschullehrerinnen und -lehrer reichlich Stoff, ihr eigenes Grundverständnis von einer therapeutischen Erziehung zu überprüfen und ihr Handeln – wenn nötig – zu erweitern.

Armin Krenz

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