Sonderpädagogischer Kongress 2022

Inklusive Bildung braucht sonderpädagogische Professionalität

Vom 28. bis 30. April 2022 fand der alle drei Jahre vom Verband Sonderpädagogik (vds) gestaltete Sonderpädagogische Kongress erstmalig aufgrund der vorab nicht kalkulierbaren Pandemielage in einem online-Format mit 265 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (60% aus der allgemeinen Pädagogik, 40% aus der Sonderpädagogik) statt. Unter dem Motto „Inklusive Bildung braucht sonderpädagogische Professionalität“ wurde mit dem Hauptvortrag von Prof Dr. Brisch, einer Podiumsdiskussion und 38 durchgeführten Seminaren ein breites Spektrum an Erkenntnissen und Anregungen für die (sonder-)pädagogische Entwicklung und Bildungsteilhabe geboten.

In seinem Beitrag „Kinder und Jugendliche mit Bindungsstörungen und die Bedeutung für die pädagogische Arbeit“ nahm der Hauptreferent, Prof. Dr. Karl-Heinz Brisch, Leiter der Abteilung Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie an der Kinderklinik der Ludwigs-Maximilians-Universität, München, ganz besonders die Frage der Bindung als wesentliche Grundlage für den Bildungs- und Lernprozess in den Blick. O-Töne der Teilnehmenden waren unter anderem „sehr beeindruckender Vortrag“, „bereichernd und inhaltlich bestens nachvollziehbar“, „hervorragend gewählte Fallbeispiele“, „viele Impulse“. Die danach steigende Zahl der Anmeldungen für das im weiteren Verlauf des Kongresses angebotene Vertiefungsseminar bezeugen zum einen den hervorragenden Vortrag und zum anderen die Wichtigkeit dieser Thematik im pädagogischen Alltag. Gerne verweisen wir in diesem Zusammenhang auf die vom 16. – 18. September 2022 stattfindende 21. Internationale Bindungskonferenz in Ulm (www.bindungskonferenz.de).

In der Podiumsdiskussion standen der von zahlreichen namhaften Verbänden, Vereinigungen und Einzelpersonen unterzeichnete Pakt für Inklusion sowie der Konsultationsprozess zur Bildungsteilhabe nach Lockdown und Corona-Pandemie im Mittelpunkt. Birgit Zeidler, Ombudsfrau in Hamburg und Elternratsmitglied der Lebenshilfe Bundesvereinigung, Stefanie Höfer, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im vds-Bundesverband, Dr. Matthias Schmidt- Ohlemann, Vorsitzender der DVfR, Prof. Dr. Clemens Hillenbrand, Universität Oldenburg und Franz-Josef Meyer, Vorsitzender des VBE Niedersachsen, diskutierten unter der Moderation von Dr. Angela Ehlers, vds- Bundesvorsitzende, die aus den Ergebnissen resultierenden Herausforderungen und Handlungsoptionen. Bereichert wurde das Gespräch durch sehr interessante Wortbeiträge aus dem digitalen Publikum.

Die 38 Seminare – vier mussten leider krankheitsbedingt entfallen – boten abermals eine große inhaltliche Vielfalt zur Weiterentwicklung schulischer Teilhabe und der sonderpädagogischen Schwerpunkte. Hervorzuheben sind hier insbesondere die Bereiche Lernen, Sprache und Emotionale und soziale Entwicklung. Sehr gut genutzt wurde die Möglichkeit zu fachlichem Austausch und zur Diskussion, die trotz des Online-Formats hervorragend funktionierten. Neu war das spezielle Angebot von vier Seminaren zu Fragen von Inklusion und Sport.  

Ein herzliches Dankeschön für die sehr gute Zusammenarbeit geht an Frau Ulrich und Herrn Souary vom Tagungs- und Kongresszentrum Bad Sassendorf, die uns alle Wünsche hinsichtlich der technischen Durchführbarkeit erfüllten. Wir freuen uns daher schon auf die gemeinsame Umsetzung des dann in Präsenz stattfindenden Bundesfachkongresses im Juni (s.u.). Den technischen Support für die Referierenden der Seminare leisteten in hervorragender Weise Studierende der Fachhochschule Süd-Westfalen, Standort Soest/Bad Sassendorf, die sich sowohl durch ihre Gelassenheit in kritischen digitalen Situationen als auch durch Freundlichkeit und Verlässlichkeit auszeichneten.

Der vds steht nicht still!

Am 24. und 25. Juni 2022 findet ein Bundesfachkongress zu der in der Inklusiven Bildung immer bedeutsameren Thematik Kooperation an der Schnittstelle von Sonderpädagogik und Schule/Jugendhilfe im Tagungs- und Kongresszentrum Bad Sassendorf statt. Wie bei allen Bundesfachkongressen freuen wir uns über die Anmeldung pädagogischer Fachkräfte aller Schulformen, sonder- und sozialpädagogischer Kräfte in Schule, Jugend- und Eingliederungshilfe, therapeutischer und fachmedizinischer Kräfte, aber auch über alle, die sich als Eltern und Angehörige sowie als Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft mit Themen der inklusiven Bildung, gelingender Teilhabe und Teilnahme in allen Bereichen der lebenslangen Bildung beschäftigen.