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Offener Brief an die Bundeskanzlerin
Wiedereröffnung nach Schließungen der Bildungseinrichtungen in allen Ländern der Bundesrepublik Deutschland

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,
sehr geehrte Damen und Herren,

die auf verschiedenen Ebenen des Bundes und der Länder sowie für unterschiedliche Bereiche getroffenen Regelungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben dazu beigetragen, dass das Gesundheitssystem in Deutschland nicht überfordert worden ist und dass die vulnerablen Gruppen besonders geschützt werden konnten. Dafür sind wir als Fachverband, der sich für die lebenslange Bildungsteilhabe von Menschen mit Handicaps einsetzt, sehr dankbar.

Nichtsdestotrotz sind die erheblichen Beschränkungen des öffentlichen und familiären Lebens mit massiven Eingriffen in die Lebenswelten aller Kinder und Jugendlichen verbunden. Besonderes Augenmerk gilt dabei Kindern und Jugendlichen, die aufgrund von chronischen, psychischen und somatischen Erkrankungen, dauerhaften körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen und Behinderungen sowie wegen einschränkender sozialer Bedingungen und ihrer Lebenssituation in Risiko- und Armutslagen auf Unterstützung und besondere Hilfen angewiesen sind. Die speziellen Bedürfnisse dieses sehr heterogenen, stark vulnerablen Personenkreises und ihrer Familien müssen bei allen getroffenen Maßnahmen angemessen berücksichtigt werden.

Es ist noch für niemanden absehbar, wie lange bestimmte einschränkende Regelungen gültig bleiben müssen und es ist deshalb auch nicht abschätzbar, welche Auswirkungen diese Einschränkungen der sozialen Kontakte auf das Leben der Menschen mit Behinderungen haben können.

Der Verband Sonderpädagogik sieht deshalb in der Stellungnahme der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) eine ausgezeichnete Grundlage, insbesondere sonder-/pädagogische Aufgaben in den Blick zu nehmen und Lösungswege zu entwickeln. Dies bezieht sich auf diagnostische, unterstützende, therapeutische und beratende Aufgabenfelder und darüber hinaus auf Betreuung, Pflege und Assistenz und ist im Hinblick auf alle Einrichtungen zu betrachten: 

inklusive allgemeine Schulen, Förderschulen, Kindertages- und Frühfördereinrichtungen, Einrichtungen der Behinderten- und Jugendhilfe, der beruflichen Eingliederung sowie Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM).

Für die Wiederaufnahme der Arbeit in den Kindergärten, Schulen und Einrichtungen der Behindertenhilfe und die besonderen Bedarfe unterschiedlicher Personenkreise sind dringend Konzepte und Maßnahmen zu entwickeln, um Gefährdungen und psychische Folgeerscheinungen abzuwehren.

Der Verband Sonderpädagogik versteht sich als Anwalt aller Kinder und Jugendlichen mit spezifischem Bedarf an Unterstützung. Der Verband fordert deshalb alle Entscheidungsträger auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene auf, ausdrücklich auch die Kinder und Jugendlichen in den Blick zu nehmen, deren Möglichkeiten auf Teilhabe stark eingeschränkt sind und werden.

Wir schließen uns deshalb den Forderungen der DAKJ ausdrücklich an, in die politischen Beratergremien auf Bundes- und Länderebenen unbedingt Expertinnen und Experten für Kinder- und Jugendliche, insbesondere auch für diejenigen mit massiven Teilhabeeinschränkungen, Kinder- und Jugendärzte sowie Sonderpädagogen aufzunehmen. Dieser wichtige Teil der Bevölkerung muss berücksichtigt werden und dafür müssen seine Fürsprecher Gehör finden.

Der Verband Sonderpädagogik bietet mit seiner differenzierten sonderpädagogischen Expertise seine Mitarbeit für die Entwicklung von geeigneten Wiedereinstiegsszenarien und ausdrücklich die Zusammenarbeit mit allen relevanten Partnern an. Dem Umfang der Herausforderungen kann nur mit der Bündelung aller Kräfte und Kompetenzen und einem gemeinsamen Vorgehen im Sinne aller Kinder und Jugendlichen auf den Grundlagen der Kinderrechts- und der VN-Behindertenrechtskonvention entschieden begegnet werden.

Verbunden mit der herzlichen Bitte um schnelle Weiterleitung dieses Schreibens an Ihre Ministerkolleginnen und -kollegen des Corona-Kabinetts sowie an die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder grüße ich Sie herzlich und wünsche Ihnen weiterhin eine gute Gesundheit und unverminderte Tatkraft.

Dr. Angela Ehlers
Bundesvorsitzende des Verband Sonderpädagogik (vds) im Namen des gesamten Bundesvorstands

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