Diese Seite verwendet Cookies. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu und akzeptieren unsere Datenschutzerklärung.
COVID-19: Brief an KMK zu Wiedereinstiegsszenarien
Mit dem folgenden Brief hat sich der Bundesvorstand des vds am 7. April an die Präsidentin der KMK, Dr. Stefanie Hubig, gewandt:

Liebe Frau Präsidentin Dr. Hubig,

zuallererst möchte sich der Verband Sonderpädagogik (vds) sehr herzlich bei Ihnen und Ihren Ministerkolleginnen und -kollegen für Ihr beherztes und den Schülerinnen und Schülern zugewandtes Handeln in allen Ländern bedanken.

Wir wissen es sehr zu schätzen, dass die Länderministerien die besonderen Herausforderungen der inklusiven Bildung auch in der Phase der Corona-Krise im Blick haben und ebenso schulartspezifische Informationen für die Förderschulen und Schulen für den sonderpädagogischen Schwerpunkt Pädagogik bei Krankheit herausgeben.

Auch die angebotenen, teilweise inzwischen stark ausgeweiteten Notbetreuungsmaßnahmen für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf und/oder  in vulnerablen Lebenssituationen in den Ländern, die schnelle schulpsychologische Beratung via Hotlines und die Einbindung der Vertragspartner von Schule wie insbesondere die Träger der Jugendhilfe und der ganztägigen Bildung und Betreuung wissen wir sehr zu schätzen.

Heute wendet sich der Verband Sonderpädagogik mit einer weiteren dringenden Bitte an Sie:

Bitte berücksichtigen Sie bei der Planung möglicher Wiedereinstiegsszenarien nach der Phase der Schulschließungen folgende Aspekte:

  • Es gilt, die besonders vulnerablen Gruppen in der inklusiven Bildung sowie in den Förderschulen zu schützen. Dazu gehören sehr junge Kinder, Kinder und Jugendliche mit intensivem Assistenz- und Pflegebedarf, diejenigen mit schwersten Behinderungen ohne Einsichtsfähigkeit in die eigene Lage und in die Lage anderer Menschen, aber auch Kinder und Jugendliche mit fremd- und selbstgefährdenden Verhaltensweisen und mit zum Teil schweren chronischen Grunderkrankungen wie Asthma, Herzerkrankungen, überstandenen Krebserkrankungen, Immunschwächen, Epilepsien usw. Bei diesen Schülergruppen sind die grundsätzlichen Anforderungen an Mindestabstände nicht zu gewährleisten. Auch sind die Schülerinnen und Schüler selten in der Lage, eigenständig notwendige Hygienemaßnahmen zu realisieren.
    Hier ist zu überlegen, ob eine gestaffelte Rückkehr in die Schule möglich erscheint oder ob die Eltern intensiv in die Entscheidung einbezogen werden, wann eine Aufnahme des Unterrichts innerhalb der Schulräume erfolgen soll. Ebenso könnte es sinnvoll sein, abzuwarten bis ausreichend Tests vorhanden sind, um sicherzustellen, dass von den Kindern und Jugendlichen sowie den pädagogischen Fachkräften kein aktuelles Infektionsrisiko ausgeht.
  • Zudem gilt es, Kinder und Jugendliche in Armutslagen sowie mit Fluchterfahrungen bzw. aktuellem Migrationshintergrund genau im Blick zu behalten. In manchen Ländern werden aktuell bereits Schülerinnen und Schüler, deren Familien Hilfen zur Erziehung (HzE) erhalten, besonders unterstützt und das begrüßt der vds ausdrücklich. Auf jeden Fall ist bei der Wiedereröffnung der Schulen zu beachten, dass diese Schülergruppe häufig kaum bzw. einen wenig geeigneten Zugang zu online- und Distanzlernen hat und es besonderer Anstrengungen bedarf, damit die Entstehung eines Bedarfs an sonderpädagogischer Unterstützung im Bereich des Lernens sowie in der emotionalen und sozialen Entwicklung vermieden werden kann.

Für die Entwicklung von geeigneten Wiedereinstiegsszenarien steht Ihnen der vds mit seiner sonderpädagogischen Expertise jederzeit gern zur Verfügung.

Verbunden mit der herzlichen Bitte um schnelle Weiterleitung dieses Schreibens an Ihre Ministerkolleginnen und -kollegen grüße ich Sie herzlich und wünsche Ihnen weiterhin eine gute Gesundheit

Dr. Angela Ehlers

Bundesvorsitzende Verband Sonderpädagogik (vds) für den gesamten Bundesvorstand

zurück
Brief als PDF