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Austausch der Verbände vds und VBS

Vertreterinnen und Vertreter der Vorstände des Verbands Sonderpädagogik e.V. (vds) und des Verbands für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik e.V. (VBS) trafen sich am 04. Dezember 2020 in einem digitalen Meeting zu einem Gedankenaustausch. Dabei wurden drei Themenbereiche besprochen:

  • Situation von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Beratungs- und Unterstützungsbedarf in digitalen Lehr-Lernsettings (vor, während und nach den pandemiebedingten Distanz-Lehr-Lern-Zeiten),
  • nachhaltig wirksame Strategien einer Kommunikation zum Berufsbild sonderpädagogischer Lehrämter in den unterschiedlichen Handlungsfeldern und Schwerpunkten, insbesondere mit dem Ziel der Sicherung des Nachwuchses durch eine stete und bewusste Entscheidung für das Berufsfeld und
  • Details zu weiteren engen Absprachen untereinander und gegenüber den Partnerinnen und Partnern in Politik und Gesellschaft.

Bei der Einschätzung der Situation der Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Bedarf an Beratung und Unterstützung insbesondere in den pandemiebedingten digitalen Lehr-Lernsettings wurde schnell deutlich, dass die erwartbaren, auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Zugänge zu den aktuell praktizierten Ausschlüssen und Erschwernissen im Kern zusammengeführt werden können.

So sind die Entscheidungen im Rahmen des Digitalpakts für die einzusetzende Hardware, die genutzten Lernportale und digitalen Schulbücher und Prüfungsformate sowie für Kommunikationssoftware viel zu oft unzureichend im Sinne der zu gewährleistenden Zugänglichkeit im Sinne der Richtlinie 2019/882 „Europäischer Rechtsakt zur Barrierefreiheit“. Auch vermissen beide Verbände die konsequente Umsetzung des Marrakesch-Prozesses, insbesondere im Ausbau von Befugten Stellen im Schulbereich und mit einem klaren Bekenntnis für das Vorhalten eines barrierefreien Lese- und Informationszugangs für Menschen mit einer Seh- oder Lesebehinderung. Die Gruppe der Schülerinnen und Schüler mit einer „print disability“ im Sinne des Marrakesch-Prozesses ist in den Ländern der Bunderepublik Deutschland nicht im Ansatz definiert; damit hält das Vorenthalten angemessener Vorkehrungen – und damit eine diskriminierende Reduktion von Bildungschancen – unverändert an.

Erschwernisse innerhalb digitaler Lehr-Lern-Prozesse müssen aber auch durch unzureichende Ausstattung mit angepasster Hard- und Software in der Schule und im Elternhaus konstatiert werden, sowie durch gravierende Barrieren in der kognitiven Erschließbarkeit der digitalen Medien und Angebote.

Ob die Barrieren soziale, kognitive, emotionale oder wahrnehmungsspezifische Verankerungen aufweisen – eine klare, gemeinsame Forderung nach einer barrierefreien und chancengleichen Teilhabe an Bildung und damit nach einer Neujustierung der Debatten um Digitalisierung und Inklusion im Bildungsbereich ist angezeigt.

In diesem Sinne haben sich die Beteiligten auf eine breit angelegte, zeitnah durchzuführende und gemeinsame Aktion im Verbund mit möglichst vielen Verbänden und Vereinen verständigt.

Der anhaltende Bedarf an sonderpädagogischen Lehrkräften und die durch die Prozesse der inklusiven Schulentwicklung immer weiter voranschreitende Ausdifferenzierung von unterschiedlichen Rollenmustern auch innerhalb der Gruppe der Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen erfordert eine erneute fokussierte Befassung mit diesem Themenbereich. Sowohl die Berufsberatung für Interessentinnen und Interessenten vor dem Studium als auch die Schärfung der Spezifik in den Phasen der Lehrerbildung sind eng miteinander verbunden und sollen mittelfristig Gegenstand weiterer gemeinsamer Anstrengungen sein.

Als Verdeutlichung wird auf die Seiten der Agentur für Arbeit „Studienbereich Sonderpädagogik“ verwiesen.

Verabredet wurden gemeinsames Wirken in den BAG-Sitzungen und Planungen von gemeinsamen Aktivitäten als auch gemeinsame Aktivitäten in der Öffentlichkeitsarbeit.

Sven Degenhardt

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