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"Zeitschrift für Heilpädagogik" - Ausgabe 8/20
Aus dem Inhalt:
Gregor Renner, Stefanie Schmidt 380
Die Teilhabe von Menschen mit hohem Hilfebedarf am Arbeitsplatz in Baden-Württemberg - Eine Bestandserhebung von Projekten und Vereinbarungen zur Erhöhung der Teilhabe in der "Werkstatt für behinderte Menschen WfbM"
Monika Wicki 393
Soziale Netzwerke von älteren Personen mit Behinderung in Wohneinrichtungen
Ines Esser 400
Englischlernen von Menschen mit geistiger Behinderung aus Nutzendensicht
Anne Menke, Bettina Arasin, Satyam Antonio Schramm 413
Bewegungsbasierte Präventionvon Gefühls- und Verhaltensstörungen bei Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren
vds aktuell 425
Buchbesprechung
Antwort der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Dr. Stefanie Hubig, auf den Brief von Dr. Angela Ehlers

Liebe Leserinnen und Leser!

Die meisten Beiträge in der Zeitschrift für Heilpädagogik thematisieren sonderpädagogische Themen im Bereich Schule. Das ist aber nur ein kleiner Bereich sowohl sonder- und heilpädagogischer Expertise als auch inklusiver Bildung. Wir freuen uns daher sehr, in diesem Heft mit drei Beiträgen die Lebenswirklichkeit von Menschen mit geistiger Behinderung abbilden zu können.

Teilhabe ist dabei das leitende Thema der drei Beiträge. Der Begriff „Teilhabe“ wird nicht zuletzt seit den beiden Teilhabeberichten der Bundesregierung sehr häufig in den Medien genutzt. Hier wird ausgeführt, dass Menschen mit Behinderung nicht nur besonders gefährdet sind, an der „vollen und wirksamen gesellschaftlichen Teilhabe gehindert zu werden“ (S.35), sondern dass dieses soziale Problem die „Teilhabeorientierung im Zeichen von Inklusion“ (ebd.) erfordert. Die ersten drei Beiträge im aktuellen Heft wollen auf genau dieses Erfordernis in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Bildung eingehen.

Auch in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist Teilhabe ein Kernelement, wenngleich der im internationalen Sprachraum genutzte Begriff der „Partizipation“ zu finden ist. Partizipation und Teilhabe werden oft synonym verwendet, aber ist das wirklich das Gleiche? Wie meistens sind sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht vollends einig und auch der Teilhabebericht bezieht nur indirekt Stellung (S. 36). Interessant erscheint uns aber die Idee, den Begriff der Partizipation zu unterteilen in drei Konzepte, da dies direkt auch praktische Konsequenzen haben könnte: die Teilhabe, die Teilgabe und das Teil-Sein. Philosophisch und wissenschaftstheoretisch können diese Aspekte von Partizipation wiederum unterschiedlich diskutiert werden und unsere Idee davon kann und muss kritisch gesehen werden. Wir verstehen das so: Um soziale Teilhabe zu ermöglichen, müssen wir als Gesellschaft Teilgabe gewährleisten, also die Umwelt und unser Miteinander in den Bereichen Arbeit, Wohnen, Freizeit, Politik, Schule etc. in der Art gestalten, dass Menschen teilhaben können, wenn sie Teil-Sein möchten.

Aus dieser Einteilung ergeben sich aus unserer Sicht Fragen, die wir uns als Fachexpertinnen und -experten stellen sollten: An welcher Stelle und mit welchen Mitteln ermöglichen wir Teilhabe? Wo geben wir Gelegenheit zum Teil-Sein? Wo möchten wir, möchten Menschen mit Behinderung Teil-Sein? Eine wichtige Anforderung ist im Grundsatz der UN-Konvention formuliert: „Nichts über uns ohne uns“. Hier können wir als im Feld tätige Personen beginnen: Nicht über Menschen entscheiden, sondern diese in Entscheidungen einbeziehen, am besten gemeinsame Entscheidungen treffen. Wir hoffen mit dieser Aussage genau hier Optionen aufzeigen zu können. Wir wünschen Ihnen viele Anregungen bei der Lektüre.

Conny Melzer                           Peter Wachtel

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