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"Zeitschrift für Heilpädagogik" - Ausgabe 7/21
Aus dem Inhalt:

Bodo Hartke, Simon Sikora, Franz Wember 328
Schwierigkeiten und Entwicklungen in der sonderpädagogischen Diagnostik – Lösungsansätze am Beispiel der Verlaufsdiagnostik eines robusten Indikators
Meike Engelhardt, Torsten Krämer, Peter Zentel 340
Assessment der Kommunikation von Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung. Evaluation des INSENSION Questionnaire – Longform (InQL)
Paula Kunkel, Stefanie Köb, Klaus Sarimski 355
Zusammenarbeit mit sonderpädagogischen Fachkräften Elterliche Erfahrungen bei Kindern und Jugendlichen mit komplexem Pflegebedarf in Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren
vds aktuell 365
KMK-Empfehlungen Geistige Entwicklung
vds fragt nach

Liebe Leserinnen und Leser!

Zwei der vier Beiträge in diesem Heft thematisieren Diagnostik. Im ersten Beitrag fassen die Kollegen eindrucksvoll die Probleme der „traditionellen Förderdiagnostik“ zusammen. Diese Probleme sind eigentlich lange bekannt und werden sowohl wissenschaftlich als auch praktisch kritisch diskutiert. In der administrativen Praxis sind die Feststellungsverfahren ein Kernstück, die in den Ländern über Verordnungen geregelt sind und in regelmäßigen Abständen überarbeitet werden. Zuletzt hat dies Sachsen getan, Niedersachsen arbeitet aktuell an einer Aktualisierung. Mit dem Feststellungsverfahren tritt auch das Ressourcen-Etikettierungs-Dilemma deutlich zutage, das wir wohl alle in unserer Ausbildung in den Diagnostik-Modulen und Seminaren diskutiert haben. Es gibt aber auch zunehmend Versuche, systemorientierte Zuweisungen von Mitteln zu erproben und so Feststellungsverfahren und letztlich auch eine schuladministrative Etikettierung zu erübrigen. Dieses Spannungsfeld der personen- oder systemorientierten Zuweisung von Ressourcen stellt auch die Frage nach der Rolle der Diagnostik im Rahmen sonderpädagogischer Förderung sowohl in der Förderschule als auch der Allgemeinen Schule.

Nun stellt sich aber die Frage, welche Alternativen eingesetzt werden können. Das Konzept der Lernverlaufsdiagnostik aufbauend auf der Erhebung von Lernvoraussetzungen wird – wie auch im ersten Beitrag – diskutiert. Hier ist sicher eine mögliche Lösung der genannten Probleme zu finden, wenngleich noch immer weiter Entwicklungsbedarf in der Wissenschaft besteht und diese noch mehr im (schulischen) Alltag umgesetzt werden muss.

Ein anderes Problem ist die Diagnostik bei Menschen mit komplexen Behinderungen, da in diesem Feld der Einsatz einiger diagnostischer Verfahren aufgrund der Schwere der Behinderung sowie eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten ausgeschlossen ist. Der zweite Beitrag stellt ein Verfahren vor, das eine zusätzliche Option der Diagnostik von Kommunikationsmöglichkeiten bieten kann.

Diagnostik ist eine alltägliche Aufgabe von Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen. Sie findet im Spannungsfeld von Ressourcenzuweisung und Basis individueller Förderung statt. Dieses Spannungsfeld wird uns noch lange begleiten: in der Diskussion und in der täglichen Umsetzung, die zu einem großen Teil durch schuladministrative Vorgaben geregelt ist. Wie setzen Sie, liebe Leserinnen und Leser, Diagnostik in Ihrem Umfeld sonderpädagogischer Förderung ein? Haben Sie vielleicht ein Diagnostik-Konzept, das sich bewährt hat und das auch für andere interessant ist? Bringen Sie es doch zu Papier und reichen Sie es ein. Über einen (oder mehrere) Konzept /Praxisbeiträge zu diesem Themenfeld würden wir uns sehr freuen! Bis dahin wünschen wir Ihnen erst einmal mit diesen Beiträgen zur Diagnostik, aber auch zur Zusammenarbeit mit Fachkräften (dritter Beitrag) zahlreiche Anregungen für Ihren pädagogischen Alltag!

Conny Melzer                           Peter Wachtel

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