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ZfH Ausgabe 11/2026

ZfH Ausgabe 11/2026


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
individuelle Unterstützung soll Teilhabe ermöglichen. Doch auch gut gemeinte Förderung kann dazu beitragen, Unterschiede hervorzuheben, Zuschreibungen zu verfestigen und Zugehörigkeit zu erschweren. Dieses Spannungsfeld beschäftigt Lehrkräfte im schulischen Alltag genauso wie pädagogisches Fachpersonal in der frühen Bildung. Wie können wir Unterstützung so gestalten, dass sie individuellen Bedürfnissen gerecht wird und zugleich die sozialen Bedingungen
des Lernens einbezieht?
Die Beiträge dieser Ausgabe laden dazu ein, diese Frage aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Sie lenken den Blick auf das Zusammenspiel von individuellen Voraussetzungen, pädagogischem Handeln und sozialen Beziehungen. Damit berühren sie eine grundlegende Herausforderung: Unsere Entscheidungen im pädagogischen Handeln beziehen sich zwar auf einzelne Kinder und Jugendliche, sie entfalten ihre Wirkung aber immer auch innerhalb der Gruppen und auch der Einrichtungen bzw. Institutionen.
Besonders deutlich wird dies dort, wo ein Kind innerhalb seiner Klasse zum „Störer“ erklärt wird. Die im ersten Beitrag des Hefts vorgeschlagene beziehungsdynamische Deutungsheuristik fragt danach, wie Anerkennung, soziale Vergleiche und Spannungen innerhalb der Klasse solche Zuschreibungen begünstigen können. Sie eröffnet damit aber auch eine Perspektive auf Beziehungsstrukturen als Ansatzpunkt pädagogischen Handelns.
Eine verwandte Spannung zeigt die Untersuchung zur Eingliederungshilfe in Kindertageseinrichtungen (Beitrag 4): Individuelle Begleitung kann Beteiligung und soziale Interaktion unterstützen, zugleich aber mit „Verbesonderung“ und eingeschränkten Peer-Kontakten verbunden sein. Unterstützung könnte auch von der Gruppe und ihren Beziehungen heraus geplant werden.
Damit verbindet sich die Frage, welche Kompetenzen pädagogische Fachkräfte benötigen, um solche Wechselwirkungen wahrzunehmen und ihr Handeln daran auszurichten. Ideen hierzu bieten die Beiträge 2 und 3 mit dem heuristischen Modell Adaptiver Lehrkompetenz und mit dem GRID-Modell zur anschlussfähigen Diagnostik und Förderplanung.
Liebe Leserinnen und Leser, vielleicht begleitet Sie beim Lesen diese Frage:
Welche Möglichkeiten zur Beteiligung und Zugehörigkeit eröffnet unsere Unterstützung – und welche unbeabsichtigten Folgen sollten wir genauer beobachten?
Die Antworten brauchen Erfahrungen aus der Praxis, Reflexionsräume in der Lehrkräftebildung und wissenschaftliche Erkenntnisse. Im Austausch können daraus tragfähige Perspektiven für sonderpädagogisches Handeln entstehen. Und vielleicht haben Sie auch gelungene Antworten, die Sie mit anderen Leserinnen und Lesern in Form eines Beitrags in der Zeitschrift für Heilpädagogik
teilen möchten. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine anregende
Lektüre!

Conny Melzer 

 Gino Casale
Wenn die Klasse einen „Sündenbock“ braucht  Das Inklusionsparadox im sonderpädagogischen Schwerpunkt Emotional-soziale Entwicklung als Beziehungsdynamik 446
Stefanie Elbracht · René Schroeder
Adaptiv handeln und planen in der schulischen Erziehungshilfe  Adaptive Lehrkompetenz im Kontext sozial-emotionaler Unterstützungsbedarfe 459
Edeltraud Hannes-Schmitz · Nicole Ramacher-Faasen · Tobias Hagen · Katrin Schmitz-Parting
Prävention von Lern- und Verhaltensschwierigkeiten: Mehrdimensionale Förderdiagnostik und -planung in Kita und Schule mit dem GRID-Modell 470
Melanie Seera · Angela Ehlers
Eingliederungshilfe und Gruppendynamik in Kindertageseinrichtungen  Ergebnisse einer Mixed-Methods-Untersuchung zu sozialer Interaktion und Teilhabe  478
Gast-Kommentar

Janka Goldan · Kerstin Schneider

Infrastruktur versus Individualanspruch? Eine Reformchance für mehr Teilhabe

 

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