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ZfH Ausgabe 10/2026

ZfH Ausgabe 10/2026


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

sonderpädagogische Professionalität ist gegenwärtig in besonderer Weise im Fokus:
Während die Anforderungen an professionelles Handeln komplexer werden, gibt es noch immer einen hohen personellen Bedarf. Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen sollen Teilhabe ermöglichen, individuelle Entwicklung unterstützen und in Situationen hoher Unsicherheit verantwortungsvoll entscheiden, zugleich institutionelle Grenzen reflektieren. Dafür benötigen sie nicht nur fundiertes Wissen, sondern insbesondere persönliche Stabilität und Strukturen, die professionelles Handeln ermöglichen sowie absichern.

Wie diese Voraussetzungen gestärkt werden können, verbindet die Beiträge dieser Ausgabe. Der Duale Masterstudiengang Sonderpädagogik an der Europa-Universität Flensburg reagiert auf den Lehrkräftemangel mit einem neuen Weg der Qualifizierung. Die vorgestellten Befunde zeigen, dass auch alternative Zugänge zum sonderpädagogischen Lehramt zu bedeutsamen Wissenszuwächsen führen können. Professionalität beruht jedoch nicht allein auf Wissen. Der Beitrag zur psychischen
Gesundheit von Studierenden der Sonderpädagogik lenkt den Blick auf eine Voraussetzung, die in der Lehrkräftebildung noch immer zu wenig berücksichtigt wird. Wer später unter anspruchsvollen Bedingungen Kinder und Jugendliche begleiten soll, benötigt bereits im Studium verlässliche Unterstützungsangebote – insbesondere dann, wenn eigene gesundheitliche Beeinträchtigungen hinzukommen.

Wie anspruchsvoll professionelles Abwägen sein kann, zeigt der Beitrag zu sexualbezogenen
Risikodynamiken in Werkstätten und Wohnheimen der Eingliederungshilfe. Für den Umgang mit dem Spannungsfeld zwischen Teilhabe und Schutzauftrag besteht hoher Handlungsbedarf; zugleich fehlen bislang hinreichende empirische und konzeptionelle Grundlagen. Der Autor greift dieses Desiderat auf und entwickelt ein eigenes Modell dynamischen Risikomanagements, das individuelle, situative und institutionelle Faktoren miteinander verbindet. Damit bietet der Beitrag Fachkräften
Orientierung für ein Handlungsfeld, in dem Risiken weder verdrängt noch vorschnell vereinfacht werden dürfen, sondern fachlich begründet und gemeinsam Verantwortung übernommen werden muss.

Eine besondere Auszeichnung
Am 15. September wurde Dr. Angela Ehlers, Bundesvorsitzende des Verbands Sonderpädagogik
e.V., für ihr langjähriges und wirkungsvolles ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Gewürdigt wurde insbesondere ihr Einsatz für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe. Wir verstehen diese Auszeichnung zugleich als Anerkennung all jener Kolleginnen und Kollegen, die sich im Verband regional und überregional für die Belange von Menschen mit Behinderungen engagieren. Wir gratulieren Dr. Angela Ehlers sehr herzlich!

Wir hoffen, dass die Beiträge dieser Ausgabe Ihnen Anregungen geben, Ihre verantwortungsvollen
Aufgaben in Praxis, Lehrkräftebildung und Wissenschaft weiterhin
fachlich fundiert, reflektiert und wirksam zu gestalten.

Conny Melzer 

 Janna Lietz· Pascal Kintscher · Simon Sikora
Zur professionsbezogenen Wissensentwicklung in einem Dualen Master-studiengang für das sonderpädagogische Lehramt 406
Sophia Arndt ·  Annika Lang · Eva Kunerl · Chiara Enderle · Lou Renner · Anett Platte
Psychische Gesundheit von Studierenden der Sonderpädagogik:
Bedeutung für die Potenzialentwicklung im Lehrberuf
415
Klaus Gehling
Zwischen Teilhabe und Schutzauftrag:
Sexualbezogene Risikodynamiken in Werkstätten und Wohnheimen der Ein-gliederungshilfe. Phänomenologische Typisierung, dynamisches Risiko-management und Handlungsgrenzen
425
vds aktuell
Das SGB VIII wird novelliert – der vds bezieht Stellung und fordert zum Handeln auf 440