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ZfH Ausgabe 04/2026

ZfH Ausgabe 04/2026


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
Unterricht ist das zentrale Handlungsfeld sonderpädagogischer Professionalität und zugleich ein Ort, an dem sich grundlegende Spannungsfelder besonders verdichtet zeigen. Wie kann Unterricht so gestaltet werden, dass er fachliche Lernprozesse ermöglicht und zugleich den individuellen Voraussetzungen, emotionalen Bedürfnissen und Lebenslagen von allen Schülerinnen und Schülern
gerecht wird? Diese Frage kann als roter Faden für das vorliegende Heft angesehen werden.

Unterricht in sonderpädagogischen Kontexten (sowohl an Allgemeinen als auch an Förderschulen) ist weit mehr als die Vermittlung von Inhalten. Er ist immer auch Beziehungsarbeit und didaktische Feinabstimmung entsprechend der Lernvoraussetzungen und -bedürfnisse. Der Beitrag zu psychologischen Grundbedürfnissen im Kontext von Krankheit macht eindrücklich sichtbar, wie eng Lernen mit dem Erleben von Autonomie, Kompetenzerleben und sozialer Eingebundenheit verknüpft ist. Gerade in herausfordernden Lebenssituationen zeigt sich, dass Unterricht nur dann wirksam sein kann, wenn es gelingt, diese Bedürfnisse gezielt zu berücksichtigen und pädagogisch aufzugreifen. Auch der Blick auf den Unterricht im sonderpädagogischen Schwerpunkt Geistige Entwicklung
unterstreicht die Bedeutung einer reflektierten didaktischen Gestaltung. Musik eröffnet hier besondere Zugänge zu Teilhabe, Kommunikation und ästhetischer Erfahrung. Dies gelingt aber nur, wenn die Auswahl von Inhalten und Methoden nicht beliebig ist und der fundierten Professionalisierung für die Gestaltung solcher Lerngelegenheiten ein hoher Stellenwert beigemessen wird.

In eine ähnliche Richtung weist das SELL-Modell, das sprachliches, emotionales und literarisches Lernen miteinander verbindet. Es zeigt exemplarisch, wie Unterricht dann an Tiefe gewinnt, wenn fachliche und entwicklungsbezogene Perspektiven nicht getrennt, sondern systematisch aufeinander bezogen werden. Die Verbindung von emotionalem und sprachlichem Lernen eröffnet nicht nur neue didaktische Wege, sondern trägt auch präventiv zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen bei. Nicht zuletzt verweist unser erster Beitrag im Heft zu Beratungs- und Gesprächsführungs-kompetenzen darauf, dass auch unterrichtliches Handeln in kommunikative Prozesse eingebettet ist. Unterricht lässt sich nicht isoliert denken, sondern ist Teil eines umfassenderen professionellen Handelns.

Für die schulische Praxis, das Studium und auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik ergibt sich daraus eine gemeinsame Perspektive: Unterricht in sonderpädagogischen Kontexten verlangt eine enge Verzahnung von Didaktik, Diagnostik, Beziehungsgestaltung und Reflexion.

Die Beiträge dieses Hefts laden Sie dazu ein, diese Zusammenhänge weiterzudenken
und für die eigene Praxis fruchtbar zu machen.

Conny Melzer 

Bodo Hartke · Oliver Carnein
Beratungs- und Gesprächsführungskompetenzen: Essenzielle Ausbildungsinhalte in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung 142
Christine Schmalenbach · Arzum Nese Demir · Ahmet Hakan Mican
Psychologische Grundbedürfnisse und pädagogisch-didaktisches Handeln im Kontext von Krankheit 152
Elisa Kalus · Theresa Stommel
Musikdidaktische Konzepte, Inhalte und Methoden im Unterricht an Förderschulen mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt Geistige Entwicklung 162
Daniela A. Frickel · Mareike Urban · Alexandra Zepter · Thomas Hennemann
SELL – Sprachliches, emotionales und literarisches Lernen verbinden Am Beispiel einer Betrachtung des Bilderbuchs „Vincent und ich“ von Stefan Karch 169
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Bericht vom Bundesfachkongress
Lebens- und Lernbedingungen im
Autismus-Spektrum – Teilhabe sichern

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