Aktuelle Ausgabe

ZfH Ausgabe 07/2026

ZfH Ausgabe 07/2026


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
sonderpädagogisches Handeln bewegt sich in einem Spannungsfeld, das viele von Ihnen aus Ihrem beruflichen Alltag kennen: Schulische Rahmenbedingungen sind häufig herausfordernd, rechtliche Vorgaben ändern sich und wissenschaftliche Erkenntnisse entwickeln sich weiter. Zugleich müssen
Entscheidungen täglich und unmittelbar getroffen werden. Damit ist professionelle Handlungssicherheit hoch bedeutsam, egal ob Ihr Tätigkeitsfeld die schulische Praxis, die Kita, die Kinder- und Jugendhilfe, berufliche Bildung, Lehrkräfteprofessionalisierung oder Forschung ist.

Wie Handlungssicherheit entstehen kann und welche Bedingungen sie fördern oder erschweren, greifen mehrere Beiträge dieser Ausgabe aus unterschiedlichen Perspektiven auf. Fachlich fundiertes Handeln umfasst weit mehr als die Kenntnis einzelner Fördermaßnahmen. Es setzt die Fähigkeit voraus, wissenschaftliche Erkenntnisse zu nutzen, sie auf konkrete schulische Situationen zu beziehen und unter den jeweiligen Bedingungen vor Ort verantwortungsvoll umzusetzen.

Die aktuelle Ausgabe greift dies anhand des Bereichs der Lese- und Rechtschreibförderung auf. Zwischen wissenschaftlich fundierten Empfehlungen, rechtlichen Regelungen und schulischer Praxis entstehen nicht selten Unsicherheiten. Gleichzeitig gelingt wirksame Unterstützung dann, wenn Förderkonzepte praktikabel gestaltet sind und Schulen Wege finden, zusätzliche Ressourcen für die Förderung zu erschließen. Die erste drei Beiträge machen damit auf eine zentrale Herausforderung aufmerksam: Evidenzbasierte Förderung muss nicht nur entwickelt, sondern auch in den schulischen Alltag übersetzt werden. Dabei darf der Blick nicht allein auf fachliche Leistungen gerichtet bleiben, sondern sollte überfachliche Aufgaben und Bereiche gezielt in den Blick nehmen, wie dies im dritten Beitrag geschieht.

Schließlich lenkt diese Ausgabe den Blick auf einen komplett anderen Bereich, der im pädagogischen Alltag oft selbstverständlich erscheint und dennoch hohe professionelle Sensibilität erfordert: die Kommunikation im Unterricht. Humor, Ironie oder Selbstironie können Beziehungen stärken und Gemeinschaft fördern, zugleich aber auch Missverständnisse oder Ausgrenzung hervorrufen. Auch hier wird deutlich, dass Handlungssicherheit wesentlich auf Reflexion basiert.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit dieser Ausgabe Anregungen liefern, bestehende Routinen zu hinterfragen, neue Perspektiven einzubeziehen und professionelles Handeln weiterzuentwickeln. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und vielfältige Impulse für Ihre eigene Arbeit.

Conny Melzer 

Marie-Christine Vierbuchen · Helene Borgwald
Handlungssicherheit im Umgang mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten?
Lehrkräfteeinschätzungen zwischen Vorgaben, Empfehlungen und Praxis
282
Nicole J. Fritzler · Friedrich Schönweiss · Maria-Valentina Westermann · Sabrina Marie Kleine · Elke Wild · Malin Brückmann · Pia Sofie Nagel
Lese- und Rechtschreibförderung in der Sekundarstufe I
Eine Machbarkeitsstudie zur Umsetzung im schulischen Alltag
294
Dennis Christian Hövel · Katharina Prinz · Susanne Seifert · Alfred Schabmann · Barbara Gasteiger-Klicpera · Barbara Maria Schmidt
Rubidas Abenteuer: Sozial-emotionales Lernen (SEL) bei Leseschwierigkeiten
Ein frei zugängliches Ergänzungsmodul im mehrstufigen Förderkonzept
305
Jörg Mußmann
Mitgelacht oder ausgelacht?
Ironie und Selbstironie im inklusiven Unterricht
312
Treffen des Referats Lernen

Bundesreferat Hören des vds bei der Bundesdirektorenkonferenz (BuDiKo)

Buchbesprechung

321