Aktuelle Ausgabe

Zeitschrift für Heilpädagogik Cover 05.2022

ZfH Ausgabe 05/2022

Liebe Leserinnen und Leser,

auf den ersten Blick zeichnet sich dieses Heft durch eine große inhaltliche Heterogenität aus. Es geht um die Entwicklung eines Beobachtungsbogens, Gesundheitsbildung im sonderpädagogischen Schwerpunkt Geistige Entwicklung, Rechtschreibförderung in der Allgemeinen Schule und Deutsch als Zweitsprache. Bei genauerer Betrachtung steht die Kommunikation von Schülerinnen und Schülern – mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und Arten, Kommunikation für sich nutzbar zu machen – im Mittelpunkt dieses Hefts. Verbalisierungs- und Kommunikationskompetenz ist nach Mutzeck (2008) eine menschliche Fähigkeit, die jeder Mensch (unabhängig von Behinderung oder sonderpädagogischem Schwerpunkt) hat. Diese ist allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt und unsere Aufgabe als Lehrkräfte ist, diese weiter zu unterstützen, dass sie auch genutzt wird. Hier liegt also auch die Idee Watzlawicks zugrunde: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Und genau hier – auf den verschiedenen Ausprägungsgraden der Kommunikation von Menschen und wie wir das als Lehrkräfte nutzen sowie weiter unterstützen können, setzt dieses Heft an. Wenn Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterstützt kommunizieren, so ist es in
erster Linie bedeutsam, die Kommunikationskompetenzen diagnostisch einzuschätzen.
Aktuell kommen viele Kinder mit Fluchterfahrungen in die Schule, die für die Kommunikation mit Peers erst einmal Deutsch lernen müssen. Deutsch als Zweitsprache nimmt in unserem Alltag mittlerweile einen hohen Stellenwert ein. So ist die Idee des Kernvokabulars und die Nutzung von Methoden der unterstützten Kommunikation sicher eine hilfreiche Erweiterung des didaktisch-methodischen Repertoires. Auf einer etwas anderen Ebene, aber nicht minder wichtig, liegt die Rechtschreibkompetenz. Schriftliche Kommunikation ist vor allem dann verständlich, wenn diese „richtig geschrieben“ und sich an Konventionen der Rechtschreibung orientiert wird. Die individuelle Förderung dieser hat also einen wesentlichen Einfluss auf die schriftlichen Kommunikationskompetenzen der Schülerinnen und Schüler.
Die Gesundheitsbildung hebt sich da ein wenig ab. Allerdings wird im Beitrag eine Anwendung auf Schülerinnen und Schüler mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt Geistige Entwicklung vorgenommen. In dieser Zielgruppe ist meist eine erschwerte Kommunikation zu beobachten, viele Schülerinnen und Schüler nutzen Methoden Unterstützter Kommunikation. Aber gerade im Bereich der Gesundheitsbildung ist Kommunikation essentiell – so scheinen viele der genannten Implikationen auf Kommunikation zurückzugreifen und Lehrkräfte sollten diesem Umstand Rechnung tragen.
Ein kommunikatives Heft – so hoffen wir, dass dieses Heft Sie zum kollegialen Austausch und zur Unterstützung von Kommunikationsprozessen in der Schule anregt

Conny Melzer Peter Wachtel

Aus dem Inhalt

Marc Tebbe, Carmen Zurbriggen 200
Fortlaufende Beobachtung elementarer Vokabularentwicklung unterstützt sprechender Kinder (BeV) – Ein Beobachtungsbogen zur
Diagnostik und Förderung
Lena Grüter, Theresa Stommel 216
Krisen als Impulse – Lösungsansätze zur krisenbezogenen Ausgestaltung lebensweltorientierter Gesundheitsbildung im sonderpädagogischen Schwerpunkt Geistige Entwicklung
Dagmar Fretter, Lena Lingk 229
Auf dem Weg zur Bildungssprache – Förderliche Rahmenbedingungen für die anfängliche Sprachförderung bei Deutsch als Zweitsprache am Beispiel des KvDaZ-Konzepts
Kathrin Mahlau, Anke Sagert 240
Individuelle Rechtschreibförderung in der Sekundarstufe I – Effekte einer vergleichenden Interventionsstudie
Buchbesprechung 254