Aktuelle Ausgabe

ZfH Ausgabe 07/2022

Liebe Leserinnen und Leser,
in diesem Heft finden Sie ein Interview der Bundesvorsitzenden des vds, Dr. Angela Ehlers, mit dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Herrn Jürgen Dusel. Folgende Frage stellt sie dabei: „Kommen wir […] auf Ihre Sicht auf den aktuellen Stand speziell der inklusiven Bildung. Sehen Sie hier an vielen Stellen auch eher eine Rolle rückwärts als zügige Schritte nach vorn?“ Seine recht klare Antwort: „Ja, bei dieser Analyse muss ich Ihnen leider zustimmen. Nach der Ratifizierung der UN-BRK und insbesondere des Artikels 24 war uns doch allen klar, dass die Umsetzung der inklusiven Bildung in allen Schulformen kein Spaziergang,
sondern ein Marathon werden würde. Aber dennoch: nach 13 Jahren können wir mit dem Ergebnis in den Ländern nicht zufrieden sein.“
Dies trifft insbesondere auf die Gruppe der Kinder und Jugendlichen mit komplexen Behinderungen zu. Lernen in der Allgemeinen Schule findet selten bis gar nicht statt. Doch welche Herausforderungen kommen auf die Kinder und Jugendlichen mit komplexer Behinderung selbst, die Sorgeberechtigten, die Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte sowie die Mitschülerinnen und -schüler zu? Da ist die Barrierefreiheit der Gebäude mit Aufzug, breiten Türrahmen und Pflegebad nur ein kleiner Aspekt. Es stellt sich die Frage nach Kompetenzen in (medizinischer) Pflege seitens der Schulbegleitung und wenn zum Beispiel die Schulbegleitung ausfällt. Es erfordert aber auch einen Unterricht, der Möglichkeiten der Teilhabe eröffnet. Ein bloßes Beisammensein ohne pädagogische Arbeit, ohne konkreten Bildungsplan für die Schülerinnen und Schüler mit komplexer Behinderung und vornehmlich separate Förderung ohne gemeinsame
Phasen in Unterricht und Pause müssen vermieden werden. Schwierig wird es auch für die Sorgeberechtigten, wenn notwendige Therapien selbst organisiert werden müssen und nicht an der Schule gebündelt angeboten werden. Das ist nur ein kleiner Teil der Herausforderungen. Dennoch oder gerade deshalb sollten Inklusive Bildung und gemeinsames Lernen nicht ausgeschlossen und weiter ermöglicht werden. Dieses Heft beschäftigt sich mit genau der Thematik und möchte Inklusion andenken und Möglichkeiten aufzeigen. Dies geschieht anhand einer Pilotstudie, der Beschreibung internationaler Forschung und der Diskussion des Status Quo mit einem Ausblick, wohin sich schulische Inklusion im Hinblick auf Schülerinnen und Schüler mit komplexer Behinderung entwickeln könnte.

Wir hoffen, dass Sie mit diesem Themenheft Ideen und Anregungen finden, die große Herausforderung der Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen mit
komplexer Behinderung anzugehen.

Conny Melzer Peter Wachtel

Aus dem Inhalt

Tobias Bernasconi 308
Anmerkungen zur Beschreibung des Personenkreises
Tobias Bernasconi, Katja Bieritz, Harald Goll, Michael Wagner 312
Schulische Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit komplexer Behinderung.
Erste Ergebnisse einer Pilotstudie
Luca Schwarzer 324
Forschungsperspektiven im Bereich komplexer Behinderung und inklusiver Bildung
Marcel Feichtinger 332
Zur Situation von Schülerinnen und Schülern mit komplexer Behinderung. Exklusive Lernsituationen und inklusive Momente als Perspektiven für eine mögliche Neuorientierung schulischer Inklusion
vds aktuell

vds fragt: Dr. Angela Ehlers, Bundesvorsitzende des Verbands Sonderpädagogik, im Interview mit dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel am 20. Mai 2022

Buchbesprechung

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