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Editorial
Liebe Leserinnen und Leser, in vielen schulischen Kontexten – insbesondere im sonderpädagogischen Schwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung – nehmen die Komplexität der Problemlagen, die Intensität des Unterstützungsbedarfs und die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Herausforderungen deutlich zu. Lehrkräfte berichten von Schülerinnen und Schülern, deren emotionale, soziale und häufig auch psychosoziale Belastungen pädagogische Handlungsspielräume an ihre Grenzen führen. Zugleich steigen die Erwartungen an Schule: Sie soll Ort von Bildung sein, Beziehungen gestalten, Prävention und Vernetzung mit weiteren Hilfesystemen umsetzen. Diese Spannungslage greift das Themenheft auf, das von Tatjana Leidig, Tijs Bolz und Thomas Hennemann moderiert wurde.
Die Beiträge dieser Ausgabe greifen die Frage auf, wie schulische Intensivpädagogik gestaltet und weiterentwickelt werden kann. Intensivpädagogische Settings sind dabei Spiegel struktureller Entwicklungen: eine veränderte Schülerschaft, gesellschaftliche Belastungen und institutionelle Anforderungen.Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen müssen diesbezüglich pädagogische Konzepte schärfen, diagnostische Zugänge weiterentwickeln und die eigene professionelle Rolle fortlaufend reflektieren.
Die Beiträge dieses Themenhefts setzen genau an dieser Stelle an. Sie beleuchten, wie Unterstützungsbedarfe bereits in frühen schulischen Phasen variieren und welche Konsequenzen dies für die Gestaltung der Schuleingangsphase hat. Weiterhinwerden intensivpädagogische Angebote in den Blick genommen, indem fachliche Grundlagen und empirische Befunde diskutiert werden: Wie kann Förderung unter Bedingungen hoher Belastung verantwortungsvoll und wirksam gestaltet werden kann? Dabei wird auch sichtbar, dass schulische Intensivpädagogik zunehmend in einem Netzwerk komplexer Hilfesysteme verortet ist.
Ein bedeutsamer Aspekt intensivpädagogischer Angebote ist die Reintegration. Reintegrationsprozesse können nur gelingen, wenn Begleitung, Partizipation und verlässliche Netzwerke zusammengedacht werden. Die hier vorgestellten Befunde laden dazu ein, Reintegration nicht als formalen Abschluss, sondern als gemeinsamen Entwicklungsauftrag zu verstehen.
Für die Praxis, für die Ausbildung und für die Wissenschaft ergeben sich daraus gemeinsame Fragen: Wie gehen wir mit der wachsenden Komplexität um? Welche professionellen Haltungen, Strukturen und Kooperationen brauchen wir? Und wie kann sonderpädagogisches Handeln unter den aktuellen, anspruchsvollen Bedingungen tragfähig bleiben?
Wir laden Sie ein, diese Fragen mit den Beiträgen dieser Ausgabe der ZfH weiterzudenken. Dies muss im Dialog zwischen Praxis, Lehrkräftebildung und Forschung geschehen – vielleicht ist genau dieser Dialog ein passender Vorsatz für das neue Jahr? Wir – die Schriftleitung und der Beirat der ZfH – wünschen Ihnen einen gesundes und erfolgreiches Jahr 2026.
Conny Melzer und Peter Wachtel
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